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Einsatz im Rotondo

Skitourentage vom 29.03.2007 bis 01.04.2007

Gruppenbild in Realp


Text: Philippe Chanton
Photos: Serge Schnidrig, Philippe Chanton

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Tourenbericht Rotondo von Priska erschienen im "Der Bund" (14.4.07)


Hänggi alias "Pater Charly"

Grosses und kleines Lekihorn

Lüeg abu zDami

Beat

D'Rita

D'Nicole

Richtung Passo Rotondo

16 auserwählte Mitglieder der JO-SAC Zaniglas machten sich am letzten März-Frontag des Jahres 2007 in aller Frühe auf den Weg ins ferne Ürnerland. Durch die vielen Dörfer und Weiler des langen Goms und anschliessend durch das dunkle Furka-Loch erreichten die Wagemutigen letztendlich Realp, den Ausgangspunkt der diesjährigen Tourentage im Rotondo-Gebiet. 

Erster Tatort: Realp – Aufstieg zur Rotondo-Hütte
Unter der Führung unseres Leithammels Jan und unter ständiger Beobachtung von feindlichen Helikoptern, welche über unseren Köpfen herumschwirrten, erreichten wir nach 3.5 stündigem Aufstieg unser Basislager die Rotondo-Hütte. Die 2 Hüttenwartinen Claudia und Priska mussten bei der Anmeldung unserer Truppe schon Böses geahnt haben – der gefährliche Hüttenhund Nora erwartete uns schon bellend vor der Hütte und fand in Jonas schon das erste Opfer. Rund um die Hütte patroullierten fremd gekleidete Soldaten in grünen, roten und gelben Uniformen – alle paar Minuten landete ein Armeehelikopter bei der Hütte – wir befanden uns definitiv im Kampfgebiet!
Um uns gegen etwelche Attacken von wild gewordenen Lawinen befreien zu können, setzten wir kurzerhand eine Lawinen-Rettungs-Übung ein. Unter ständiger Observation der „feindlichen Trachtengruppe“ übten wir das Suchen von Verschütteten sowie das Werfen mit unseren Lanzen oder auch Sondierstangen genannt. Nachdem uns die Küchenmannschaft der Rotondo-Hütte vortrefflich verpflegt hatte, planten wir unsere Einsätze der nächsten Tage. Verschiedene Attack-Varianten auf die umliegenden Gipfel wurden studiert und ausgearbeitet – wir waren auf alle Eventualitäten vorbereitet!

      Die Rotondohütte

Zweiter Tatort: Pizzo Lucendro (Code-Name Piz Lukrezia)
Spätestens am Freitag morgen wussten wir, dass die Wetterpropheten auch nicht zu unseren Alliierten gehörten. Trotz ständigen Schlechtwetter-Prognosen der Meteorologen präsentierte sich das Rotondo-Gebiet im schönsten Sonnenschein. Also beschlossen wir den heutigen Tag zu nutzen und den Pizzo Lucendro zu erorbern. Auf der Schattenseite pirschten wir uns nun unter der Führung von Spurmeister Serge an den 2962 Meter hohen Berg heran. Weder das steile Couloir vor dem Übergang in den Kanton Tessin noch der stürmische Schlussgrat konnte uns vor der Eroberung dieses mit Kreuz und Wetterstation bestückten Berges hindern. Dank ausgefeilten Spitzkehrtechniken und einem unbändigen Siegeswillen gegen Sturm, Schnee und Kälte wurde das Bezwingen dieses Berges mit einem schnellen Gipfelphoto besiegelt. Ein erster Sieg war unser! Nun galt es auch noch den steilen Nord-Westhang zu bezwingen. Dicke Nebelschwaden verhinderten, dass wir allzu viel von dieser steilen Wand mitbekamen oder dass feindliche Tourengänger unser Vorhaben beobachten konnten. Meter um Meter, mit Hilfe von Seil und Karte eroberten wir nun diese letzte Bastion und entjungferten die darunter liegenden Hänge mit unseren schönsten Schwüngen. Zum Glück bescherten uns einige kleinere Umfaller einen feuchtfröhlichen Tagesausklang in der Rotondohütte (Der Williams-Liqueur isch apa güete gsi!). Unsere Unterkunft musste jedoch zuerst wieder erlaufen werden – jedenfalls wurde dieser Aufstieg durch die von Jan und Philippe gewählte steile Kampflinie noch zu einem echten Gratmesser was Spitzkehren und Schräghanglaufen anbelangte.

Die Rotondohütte   Serge kann sich nicht mehr zurückhalten...   Aufstieg zum Pizzo Lucendro   Auf dem Pizzo Lucendro

Dritter Tatort: Das grosse und kleine Leckihorn
Und wieder haben uns die Meteorologen reingelegt! Ausserdem fielen wir auch noch auf eine Russenfinte rein und liess uns 1 Stunde länger schlafen, welche uns schlussendlich an schönem Wetter kostete. Heute peilten wir sogar zwei Gipfelstürme gleichzeitig an: die Elitetruppe zuerst das grosse Leckihorn und die Reservetruppe das kleine Leckihorn. Beide buchten grosse Erfolge in ihren Vorhaben und konnten bei der Abfahrt erst noch von frisch verschneiten Pulverhängen profitieren. Die ganzen Hänge unterhalb der Leckihörner waren nun durch unsere Spuren markiert. Durch den Zeitverlust am Morgen holte uns schon bald der aufkommende Nebel ein, was uns zurück in unser Basislager zwang. Die grossen Erfolge der letzten Tage durften nun eindrücklich begossen werden – dabei musste die Rotondo-Hütte den Beweis antreten, dass sie eine Walliser SAC-Sektion beherbergen kann. Obwohl die Üstricheta erst im Mai stattfinden wird, leerte sich der Keller am Ende dieses langen Abends bereits bedenklich. Die Toilette spielte hierbei auch eine wichtige Rolle, nämlich als Vorwand sich am Kompanieabend anzuschliessen (gäll Thomi) oder sich davon zu verabschieden (gäll Petschi). Für Unterhaltung an diesem feuchtfröhlichen Abend sorgten nicht zuletzt der Pink Panter mit seinen modischen Pants, aber auch die ungläubigen Blicke der anderen Gäste. Die Nachtruhe begann für einige sehr spät und mit lautem Gepolter, was uns auch am nächsten Tag wieder einige böse Blicke bescherte.

Auf dem grossen Lekihorn   Myriam, Jonas und Priska auf dem Chly Lekihorn   Auf- und Abfahrtsspuren   Der Paparazzi ohne Fotoapparat...

Vierter Tatort: Passo Rotondo – Abfahrt ins Tessin
Die Hüttenwartin staunte nicht schlecht, als sie am Sonntag Morgen einen überhäuften Tisch mit leeren Flaschen und Büchsen vorfand. Das Kampfsaufen hinterliess jedoch auch einige Spuren bei unseren Soldaten – so richtige Motivation einen neuen Gipfel in Angriff zu nehmen war nicht bei allen festzustellen. Unsere letzte Mission begann nun mit dem Aufstieg zum Witenwasserenpass und dem anschliessenden Erreichen des Passo Rotondo. Nebelschwaden begleiteten uns während diesem Gang und liessen die einzelnen Sonnenstrahlen nur einzeln auf die wunderschöne Gebirgslandschaft durchscheinen. Die Zwischenabfahrten hatten es heute in sich – unsere Leute schossen sich zum Teil gegenseitig ab – jedenfalls waren die Stürze an diesem Tag um einiges zahlreicher – die Strapazen der letzten Tage hatten doch ihre Spuren hinterlassen! Auf dem Passo Rotondo mussten wir uns entscheiden zwischen dem Pizzo Rotondo, der Abfahrt ins Goms oder der Abfahrt ins Bedrettotal. Nach längerer Diskussion und auf Druck der aufsteigenden Nebelschwaden entschieden wir uns uns für die Abfahrt ins Tessin. Dies wurde noch einmal zu einer Härteprüfung, vor allem für unseren Fährtensucher Jan, welcher die Karte jedoch ausgezeichnet zu lesen wusste und die enge Passage zur Capanna Piansecco im dicksten Nebel auf Anhieb fand. Die feurige Tessinerin in der Cabanna Piansecco servierte uns nicht weniger feurige Spaghetti, was einige von uns zu enormen Schweissausbrüchen zwang. Der Vino bianco und rosso schmeckte auch in dieser Hütte ausgezeichnet – die anschliessende Schlussabfahrt im schweren Nassschnee nach All’Aqua wurde dadurch zum Kinderspiel. An der Nufenenpassstrasse fanden wir auch einen Bus, welcher uns via den Gotthardtunnel zurück nach Realp in die Sonne transportierte. 

Unser Einsatz in den 3 Kantonen Uri, Tessin und Wallis endete somit wieder vor dem Furkatunnel – die 16 Teilnehmer wurden wieder ins Zivilleben entlassen. Eine rundum zufriedene Truppe freute sich wieder in bequemere Schuhe wechseln zu können und vor allem auf eine warme Dusche zu Hause. Alle Teilnehmer bedanken sich bei unserem Bergführer Jan sowie unserem Aspirant Jonas für die 4 schönen Tage im Rotondogebiet – wir alle hoffen auf neue Abenteuer im nächsten Jahr!

Und das waren die 16 Wagemutigen:

Die Offiziere:                 Jan, Jonas
Die Korpis:                   Serge, Damian, Jean-Paul, Thomas
Der Fourier:                  Nicole
Der Feldprediger:          Hannes
Die Sanitäter:                 Myriam, Rita
Der Nachrichtensoldat:  Priska
Die Grenis:                    Peter, Stefan, Beat, Marcel
Der Paparazzi:               Philippe