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Tourentage 2006 nach Plan B

von Arnd Giese

vom 29.03. bis 02.04.2006

Wir hatten daheim von Sonne, Panoramablicken, Tiefschnee und rasanten Abfahrten geträumt und uns früh am Morgen mit dem Auto nach Crans Montana aufgemacht. Stattdessen gab es Nebel, Kälte, Schnee und eine gesperrte Gondelbahn, die uns zum Kaffeekonsum in einer Bar an der Talstation zwang. Immerhin war es dort warm, es gab weiche Sessel und ein Salzwasseraquarium, sodass wir unsere Träume weiterspinnen konnten.

Eigentlich hätten wir nämlich gar nicht im Unterwallis sondern im tief verschneiten Österreich sein sollen. Dorthin sollte die Tourenwoche ursprünglich gehen. Dass dieses Projekt am Ende scheiterte, lag sicherlich nicht an unserem Bergführer Jan Schnidrig, der sich bis zuletzt die Finger wund telefonierte um eine ausreichend große Gruppe zusammenzubekommen. „Plan B“ war nun ein Ausflug in die Grenzregion zwischen dem Wallis und Bern. Dort, wo im Sommer verwegene Schmuggler Trockenfleisch und Käse transportieren und Walliser Hirten und Berner Sennerinnen für den genetische Austausch zwischen den Kantonen sorgen, im Bermudadreieck Montana – Leukerbad – Lenk, wollten wir unsere Spuren in den Schnee ziehen. Mittags konnten wir (Jan, Jean – Paul, Damian, Marcel und Arnd) dann endlich über die Pleine morte Richtung Wildstrubelhütte stapfen und wurden für unsere Geduld sogar noch mit Sonnenschein belohnt.

Abends in der Hütte gab es einen Kurs über Tourenplanung und jeder musste zwei Skitouren für den nächsten Tag planen. Mit Karte, Kompass, Neigungsmesser und GPS planten wir eine Variante für gutes und eine für schlechtes Wetter. Entfernungen und Höhendifferenzen wurden gemessen, Aufstiegs- und Abstiegszeiten geschätzt. Am Ende hatte jeder eine schöne Tour für den nächsten Tag im Kopf. Der Morgen brachte schlechtes Wetter und wir konnten so an unserer Navigation üben. Bei Nebel und Schnee kamen alle Hilfsmittel zum Einsatz, die wir dabei hatten. Am Schluss zeigte das GPS nach links, der Kompass nach rechts und außer Jan wusste keiner mehr, wo vorne und hinten war. Immerhin brachte die Situation wichtige Erkenntnisse („Warum sieht man so schlecht?“ – „Wegen der Sicht!“) und wir fanden am Ende sicher auf die Lämmerenhütte. Von dort aus mussten wir uns am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein jedoch erheblicher Lawinengefahr und schlechten Wetteraussichten zurückziehen und verbrachten einen schönen Nachmittag im warmen Wasser in Leukerbad.

An den letzten zwei Tagen der Tourenwoche stießen Rita, Claudia, Viktoria und Serge zu uns und wir hatten bei schönstem Pulverschnee filmreife Abfahrten abseits der Piste mit einem wunderschönen Ausflug durch das Schwarztor.

Alle Tourenteilnehmer bedanken sich herzlich bei Philippe Chanton, der inzwischen einige Routine entwickelt hat bei der Planung von Touren, an denen er am Ende nicht teilnehmen kann. Ein ganz großes „Merci“ gilt Jan Schnidrig, der zunächst mit großem Engagement eine Tourenwoche in Österreich geplant hatte, bei mangelnden Teilnehmern eine Tour in die Wildstrubelregion organisierte und bei schlechtem Wetter in den Berner Alpen schließlich ein Ersatzprogramm in Zermatt aus dem Ärmel zauberte.