Spezialtour am Bietschon (3'934m)

Am 17./18. August 2013 hat es nun endlich geklappt. Der SAC Zaniglas hat die geplante und schon dreimal verschobene Tour auf’s Bietschhorn in Angriff genommen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen sind wir von Ried im Lötschental den wunderschönen Hüttenweg zur Bietschhornhütte aufgestiegen. Auch Gerd, der anfänglich schon in voller Tourenausrüstung aufsteigen wollte, besorgte sich noch in letzter Minute ein paar leichtere Kleider. Jan und Jonas schlossen sich uns später an und Jean-Paul gesellte sich mit Isabel privat unserer Gruppe an. So waren wir letztendlich eine grosse Vertreterschar des SAC Zaniglas.

Auf der Hütte wurden wir von Anni, der Hüttenwartin, freundlich empfangen und in die Hüttenregeln eingeweiht. Die Hütte ist sehr klein, aber gemütlich und hat wahrscheinlich das originellste Hütten-WC. Schon bald verwöhnte Anni uns mit einem währschaften Abendessen, damit wir am Sonntag genügend Energie für die lange Tour haben.

Um 3.00 Uhr werden wir geweckt (es darf keiner früher aufstehen) und um 3.35 h ist schon Abmarsch. Nach einer sternenreichen Nacht sieht es gut aus mit dem Wetter. Im Schein der Stirnlampen steigen wir den steilen Schafbärg hoch ins Bietschjoch. Schon da müssen wir uns konzentrieren, denn das Gelände ist abschüssig und es hatte viel loses Gestein. Einmal heulte  Serge auf, er hatte sich das so schon lädierte Schienbein einmal mehr an einem Stein gestossen.

Auf dem Bietschjoch montierten wir die Steigeisen und querten einen kurzen Firngrat zum Schafbärggipfel. Noch ein kurzes Stück über den Nestgletscher und wir haben bereits den Einstieg zum Westgrat erreicht. Hier verstauen wir alles, was wir für den Aufstieg nicht benötigen, so dass wir einen leichten Rucksack haben.

Der Westgrat ist lang und forderte jeden von uns. Das Gestein mehrheitlich sehr brüchig, abwechselnd wieder guter Fels. Trotzdem musste man jeden Stein zuerst überprüfen, ob er hält, bevor wir ihm trauten. Jonas, Myriam und George kletterten in einem flotten Tempo hoch, so dass wir sie immer schon viel weiter oben erblicken konnten. Die restlichen Seilschaften, Serge mit Damian und Jan mit Dorothée und Beat sowie Mauro mit Elsbeth und Gerd kletterten stetig regelmässig, aber in einem etwas gemütlicheren Tempo, begleitet von Jean-Paul und Isabel.

Die grauen Türme waren dann von viel besserer Felsqualität, doch dafür mussten wir etliche Stellen auf Reibung klettern. Manchmal wurde auch nachgeholfen durch das ziehende Seil oder die stossenden Hände vom Seilpartner. Bis da kletterten wir eigentlich vorwiegend rechts des Grates.

Vor dem roten Turm dann eine schöne und ausgesetzte Gratkletterei, leider etwas glitschig vom nächtlichen Hagel. Beim roten Turm kam uns schon die erste absteigende Seilschaft entgegen, die sind aber offensichtlich von der Baltschiederklause her aufgestiegen. Der rote Turm war wieder gut zu erklettern, es hatte überall Sauschwänzli zum Sichern. Trotz allem war äusserste Vorsicht wegen losen Steinen geboten. Nach dem roten Turm dann konnten wir schon von weitem das Kreuz sehen und wieder auf dem ausgesetzten Grat zum Gipfel klettern.

Nebst unseren vier Seilschaften waren noch weitere min. zwei Seilschaften auf dem Gipfel, was ein buntes Durcheinander gab. Alle auf kleinstem Platz. Die Aussicht phänomenal. Gerd hatte sich die Mühe auf sich genommen und uns einen Gipfelwein mitgebracht. Das war dann wirklich das Tüpfelchen auf dem Gipfel.

Trotz wärmender Sonne sind wir dann bei Zeiten wieder aufgebrochen, denn der Abstieg soll noch lang werden und nochmals alles von uns fordern. Jonas war wieder bei den ersten und hatte das Glück vor den anderen fremden Seilschaften im Grat zu sein.

Wir restlichen hatten dann das Nachsehen und mussten immer wieder anstehen. Nach dem roten Turm allerdings konnten wir sie überholen. Der Abstieg war dann wirklich lang und unendlich. Aber die Seilschaften waren sehr gut aufeinander eingespielt, so dass wir trotzdem gut vorankamen. Zwischendurch brauchte ich eine Pause, denn die endlose Abkletterei war sehr sehr anstrengend.

Gottseidank waren wir aber relativ rasch aus dem Schussfeld der oberen Seilschaften, denn diese demonstrierten uns wie dramatisch sich ein Steinschlag präsentieren kann. Wir waren aber weit genug entfernt.

Endlich am Ende des Westgrates angelangt, packten wir wieder unsere Sachen in den Rucksack und begaben uns wieder über den Nestgletscher zum Bietschjoch, von wo wir schon die Hütte sehen konnten. Aber oho, es waren nochmals fast 800 m abzusteigen.

Auf der Hütte wurden wir dann mit einer herrlichen Erfrischung und einem feinen Glas Wein empfangen. Alles zusammen waren wir 11 Stunden unterwegs und vor uns lag noch ein Hüttenabstieg von 1000 Hm. Aber auch das haben wir noch geschafft, die einen noch immer locker, die anderen schwer mit schmerzenden Knien. Doch in Blatten wurden wir dann belohnt. Unsere Bergführer haben Platten mit Trockenfleisch, Käse und Rohschinken bestellt und bei Wein und Bier haben wir auf unsere gelungene Tour angestossen.

Eine sehr lange und anspruchsvolle Tour, aber ein gutes Gefühl den Wächter des Wallis bestiegen zu haben.

Vielen Dank allen Bergführern für die gute Führung und vielen Dank für die tolle Kameradschaft.