Wenn der Bartgeier kreist und die Dolen laufen
Sektionstour auf der Gemmi (15./16. März 2014)

Mitte März ist wie üblich die Zeit der Sektionstouren. Turnusgemäss war in diesem Jahr die Ortsgruppe Visp mit der Organisation betraut und wählte hierfür die Gemmi-Region aus. Bei der neu renovierten Gemmibahn im felsenumschlossenen Talkessel von Leukerbad trafen sich am Samstagmorgen 38 Teilnehmer aus 6 Ortsgruppen. Nach einer wolkenlosen Prachtswoche waren die Wetterprognosen für das Wochenende nicht sehr rosig. Der Visper Tourenchef Hannes Tschumi befürchtete dadurch einige Absagen. Wir konnten jedoch die Fahrt auf die Gemmi in kompletter Formation pünktlich angehen. So fanden wir uns bei angenehmen, beinahe warmen Temperaturen auf der Gemmi ein und blickten bereits gespannt auf unser sonntägliches Ziel: den Wildstrubel.

Vorerst einmal stand jedoch das Daubenhorn auf dem Programm. Nach kurzer Abfahrt in den Talkessel montierten wir die Felle und starteten unsere ultra-lange Karawane in der ewig langen Ebene Richtung Lämmerenhütte. Ein Bartgeier-Pärchen beobachtete uns dabei neugierig aus der Luft. Die beiden kreisten in grossen Bögen über unseren Köpfen. Das war ein echt schönes Naturspektakel – nicht oft sieht man diese seltenen Tiere von so nahe. Die beiden Bergführer Georges und Andy hatten alle Mühe, die schaulustigen Tourenteilnehmer wieder in Gang zu bringen.

Nach gut einer Stunde zweigten wir in den langen Nordhang des Daubenhorns ein und stiegen gemächlich in grossen Kurven unserem Tagesziel entgegen. Einige Abfahrer kreuzten uns bereits und zeigten mit ihren flatternden Skiern, dass die Abfahrtsroute clever gewählt werden sollte. In der Gipfelregion nahm die Windstärke allmählich zu und der Gipfelhang des Daubenhorns zeigte schon einige apere Stellen. So entschlossen wir uns kurzerhand, auf das Daubenjoch auszuweichen. Die Bergführer fanden für uns eine tolle Terrasse mit herrlichem Ausblick auf die Walliser Bergwelt: Pic-Nic Time! Jef Bringolf hatte trotz Fastenzeit eine feine Flasche Roten mit dabei und liess diese zirkulieren.

Allzu lange durften wir nicht auf der Terrasse verweilen, denn schon gebot uns Andy die Skier zu montieren und uns für die Abfahrt bereit zu machen. In kleineren Gruppen fuhren wir nun wie „d‘Schaf und d‘Geiss“ den breiten Rücken hinunter – auch das war ein Naturschauspiel. Nachdem wir 5 Tagesteilnehmer verabschiedeten, stiegen die restlichen 33 Tourer noch zur Lämmerenhütte auf. Trotz aufkommenden Wolken liess uns die warme Sonne nicht im Stich und unsere Kleider wurden nochmals verschwitzt.

Die Hütte war bestens ausgebucht. Hannes hatte in den Tagen vor der Tour einige Male noch die Restplätze übernommen um allen Sektionsteilnehmern einen der sehr engen Schlafplätze zu sichern. Das Schöne an den Sektionstouren ist nun der Hängert zwischen den Ortsgruppen. Vom Präsidenten der OG Monthey (Etienne Delavy) oder seiner Club-Kollegin Marie-Christine Michelet über die zwei fidelen Tourenleiter von Martinach (Jean-Michel von Arx und Willy Thurre) bis hin zum ehemaligen Hüttenchef Jef Bringolf oder Anni Imstepf von der Bietschhornhütte hatten alle etwas zu erzählen und zu lachen. Die Frauenecke mit Juliane, Dorothée, Carmen, Anni, Katja und Priska waren genau so laut wie die Männerecke rund um Thomas Kämpfer, Georges Gruber und Andy Schnarf.

Mit Speis und Trank wurden wir von der Lämmeren-Hüttencrew bestens bedient, bevor um 5 nach 10 die Fenster des Essraums geöffnet wurden und uns ein kaltes Lüftchen um die Ohren fegte. Eine interessante Variante, um uns ins Bett zu bringen. ;-) Nach einer geräuschvollen Nacht mit eng anliegenden Nachbarn fanden wir uns um halb sieben am Frühstücksbuffet wieder. Um die im Nebel eingehüllte Hütte flogen die Dolen heute sehr tief. Andy’s Spruch zum Sonntag „Schlechtes Tourenwetter ist erst, wenn die Dolen zu Fuss unterwegs sind“ bewegte uns doch zum pünktlichen Aufbruch.

Der Aufstieg wurde anfänglich noch mit einigermassen guten Sichtverhältnissen gestartet. Je näher wir aber dem Gipfel kamen, desto dicker wurde die Nebelsuppe und einige hartnäckige Windböen testeten unser Gleichgewicht. Je dicker der Nebel, desto ruhiger wurden die Teilnehmer. Fast andächtig ruhig stapften wir dem unsichtbaren Ziel entgegen. Auf einmal tauchte aus dem Nichts ein mit Schnee verpacktes Gipfelkreuz auf. Die Visper hatten das Timing bestens im Griff. Bevor nicht alle unsere Teilnehmer auf dem Gipfel standen, liessen sie den Nebelvorhang nicht fallen. Die Freude war dann umso grösser und ein kollektives Aufatmen war zu hören, als dann die Sichtung von immer mehr Nachbargipfeln und blauen Himmelsteilen Tatsache wurde.

Das Wetter wurde nun immer besser und wir konnten sogar ein Gipfelfoto mit blauem Himmel schiessen. Die Abfahrt war nun ein Genuss, da wir die Ersten waren. Mit ein paar obligaten Sturzeinlagen fanden wir uns viel zu schnell wieder in der Gemmi-Ebene ein, wo uns noch ein längerer Spaziergang zurück zur Bahn erwartete. Das abschliessende Apéro auf der Gemmi war ein schöner Abschluss dieser gelungenen Wintersektionstour. Vielen herzlichen Dank an den Tourenchef von Visp, Hannes Tschumi, sowie an die beiden Bergführer Georges Gruber und Andy Schnarf für das tolle Wochenende.