Kaiserwetter in den Gastlosen (15./16. Oktober 2011)

Treffpunkt am Samstag früh morgens im 1. SBB-Wagon in Brig resp. Visp mit Ziel Jaun. Das waren die Startdaten der diesjährigen Herbstwanderung des SAC Zaniglas. Die richtige Fahrkarte zu kaufen war dann nicht jedermanns Sache. Nach einigen Korrekturkäufen, sogar noch in Spiez, konnten sich alle 10 Teilnehmer stolze Besitzer eines richtigen Retour-Billets nennen. Im dunklen Lötschbergtunnel sorgten sich noch einige über potentiellen Nebel im fernen Greyerzerland. Beim Umsteigen in Spiez waren tatsächlich ein paar komische weisse Gebilde am Himmel zu sehen. Doch später in Boltigen im schönen Simmental verflüchtigten sich alle Wetterbedenken – ein tolles Wanderwochenende in den Gastlosen konnte beginnen!

Der zackige Fahrstil des welschen Carchauffeurs, welcher uns über den Jaunpass transportierte, bekam nicht allen Fahrgästen. Dominique war jedenfalls froh, in Jaun an die frische Luft zu können. Vorbei war er nun, der Fahrspass. Nach einem heissen Kaffee war jetzt Muskelkraft gefragt. Von Jaun, der kleinen deutschsprachigen Enklave im Greyerzerland, führte unser Weg schon rasch steil aufwärts Richtung Schopfenspitze.

Der vor Wochenfrist eingebrochene Winter hat noch einige Schneespuren in den Schattenhängen der Gastlosen hinterlassen. Unser Weg führte uns aber mehrheitlich trockenen Fusses durch farbige Laubwälder, über saftige Alpenwiesen und kiesige Bergwege. Neben vierbeinigen Gämsen und einem Wiesel waren fast keine Zweibeiner zu sehen. Wir durften bei herrlichstem Sonnenschein die Stille geniessen. Die technische Schwierigkeit des Tages kam in Form einer steilen Rinne. Diese war ausgestattet mit grossen Tritten und einer langen Eisenkette. Ohne grosse Probleme bewältigte die ganze Gruppe diese Stelle und sahen hoch oben bereits das hölzerne Gipfelkreuz unseres Tagesziels.

Ein kräftiger Schluck aus der Teeflasche und wir attackierten die letzten Höhenmeter. Pünktlich wie die Maurer erreichten wir den Schopfenspitz auf 2104 m um exakt 12:00 Uhr. Mittagsrast bei herrlichem Blick weit in die Berner- und Walliser Alpen. Vom Mont Blanc über Grand Combin bis hin zu Eiger, Mönch und Jungfrau erbot sich uns ein tolles 360°-Panorama. Nicht zu vergessen die Juraketten und das hügelige Gelände des Freiburgerlandes. Hoch über Schwarzsee sahen wir auch schon unseren Höhepunkt des Sonntags: die Kaiseregg. Zuerst hatten wir aber noch eine längere Wanderung bis zu unserem Nachtquartier zu absolvieren.

Der Abstieg führte uns vorerst über eine kalkige und steile Krete und anschliessend über einen gefrorenen und schattigen Hang hinunter in die Combi. Hier scheinen im Sommer viele Kühe zu weiden, jedenfalls liessen verschiedene Spuren darauf schliessen. Im Oktober aber regiert auch hier die Stille. Entspannt wanderten wir nun im gemächlichen Tempo dem Euschelspass entgegen. Der wunderschöne Blick auf den Schwarzsee veranlasste uns aber noch zu einer kleinen Rast bei nun zunehmend vielen Touristen. 5 Minuten unterhalb des Euschelspass erreichten wir das Bergrestaurant Ritzli Alp, in welchem wir heute Gastrecht genossen. Ein kühler Schluck, eine warme Dusche und ein gemütlicher Schwatz umrahmte das allmähliche Eindunkeln der schönen Bergketten.

Essen à la Carte, das war nun angesagt. Vor allem das Dessert mit der Crème double und den frischen Meringues war bei uns hoch im Kurs. So etwas darf man ja nicht alle Tage geniessen. Die Nacht war kühl, sehr kühl. Eine fehlende Isolation und Heizung liess uns die ganze Nacht lang Eiszapfen schwitzen. Dominique mit ihrer Daunenjacke hatte wahrscheinlich eine Vorsehung. Sie hätte ihre Jacke sicher mehrfach vermieten können. Auf der anderen Seite fragten wir uns, was sie denn im richtigen Winter noch anziehen würde. Vor allem weil sie auf den nicht gerade für warme Temperaturen bekannten Pisten von Saas Fee arbeitet…

Der zweite Tag begann wie der erste geendet hatte: bei schönem, aber kühlem Wetter. Wach waren die Teilnehmer jedenfalls – der rege „Hängert“ legte sich erst, als der Weg wieder über einen steilen Hang gegen den Himmel aufstieg. Das Dessert vom Vorabend war schon wieder ausgeschwitzt… Diese Anstrengung wurde auch fürstlich belohnt. Ein grosses Plateau mit herrlicher Weitsicht über ein riesiges Nebelmeer über dem Mittelland präsentierte sich nun. Der Weg führte nun durch den Sensebezirk über einen schönen Gratweg mit der Kaiseregg vor Augen. Dorly suchte noch immer den von Philippe proklamierten breiten Kuhweg auf die Kaiseregg. Die Freiburger Kühe scheinen sehr geländegängig zu sein über die teils spitzen Kalkgesteine.

Kaum hatten wir uns vom ersten Höhepunkt des Tages erholt, folgte schon der nächste. Auf dem Gipfel der Kaiseregg ankommend, fanden wir ein tolles Gipfel-Buffet vor. Katja und Peti waren frühmorgens im nebeligen Düdingen gestartet und trugen ihre schwer gepackten Rucksäcke bis zum Gipfelkreuz. Wein, Schnaps, verschiedene Käse, Trockenfleisch, Kaffee, Muffins und Trauben warteten hier auf uns. Roman traute seinen Augen nicht. So etwas hatte er in seiner über 30-jährigen Bergsteigerkarriere noch nie erlebt. Die anderen Gipfelbesucher schauten äusserst interessiert auf unser Sensler-Buffet. Einer fotografierte sogar mehr unsere Köstlichkeiten, denn die schöne Landschaft rund um uns.

Wir genossen die Spezialitäten ausgiebig und vergassen schon fast den noch bevorstehenden Abstieg. Einmal hiess es Merci sagen und Abschieb nehmen. Unsere beiden Mitglieder aus Düdingen verdienen ein riesengrosses Dankeschön – das schreit förmlich nach einer Revanche!

Diese Highlights waren nun nicht mehr zu toppen. In Gedanken schwelgend wanderten wir in einzelnen Gruppen nun wieder zurück in den Kanton Bern. Einigen Knie's waren nun die  Anstrengungen der beiden Tage anzumerken. So ganz rund liefen nicht mehr alle im Chlus oberhalb Boltigen ein. Unsere Erlösung war die Rückfahrt per Bus, welcher uns vor einer abschliessenden Asphalt-Wanderung bewahrte. Zurück in Boltigen liess uns die BLS nicht lange warten und wir konnten uns an die Heimfahrt machen.

Ein tolles Wanderwochenende änet dem Lötschberg nahm sein Ende. Das Kaiserwetter und die tolle Verpflegung durch Katja und Peti in einer phantastischen Berglandschaft lassen die Mitglieder sicher noch lange von diesem schönen Wochenende im Freiburgischen träumen.