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Hochtourenwoche Cabane Moiry


vom 13. bis 19. Juli 2008

 von Myriam Aufdenblatten


Teilnehmer:
Jan Schnidrig (Bergführer)
Alban Lengen
Beat Schnidrig
Serge Schnidrig
Myriam Aufdenblatten

weitere Bilder zu dieser Tour über diesen Link <hier clicken>  


    

Eine Woche Touren im Unterwallis: nicht weit weg der eigenen Tür und doch in einer ganz anderen Welt. “Les amis Welsch“, die bekanntlich guten Wein servieren, ein Bergführer der Abenteuer und unkonventionelle Lösungen nicht scheut, dies ist Grund genug für mich beim Chef höflich aber beharrlich für eine zusätzliche Woche Ferien zu bitten. (Überstunden sind bald gemacht). Alban Lengen und Beat Schnidrig waren ebenfalls motiviert, im Schatten der Dent Blanches einige Gipfel zu besteigen und so packten wir unsere Rucksäcke, um am Samstag, 12 Juli Richtung Grimentz aufzubrechen.

Doch für Sonntag war Dauerregen vorausgesagt, der dann auch wirklich eintraf. Auch Jan war einverstanden erst Sonntag zur Hütte zu steigen, da diese doch nur eine Stunde Fussmarsch vom Parkplatz des Moiry-Stausee's entfernt liegt. Nach Jan's selbsternannter Regenwurmtechnik (raus wenn die Sonne scheint) trafen wir halbnass auf der Hütte ein (wir waren appa einfach nicht genug schnell). Die Moiry Hütte ist schön gelegen mit Blick auf den imposanten Gletscher und hinaus ins grüne Val d`Anniviers. Wenn auch klein haben doch fast 90 Leute darin Platz und wenn man sich die Holzstapel, Baggermaschinen, Steinhaufen und Holzspäne weg denkt, ist der geräumige Vorplatz vor der Hütte der ideale Platz für ein kühles Bier an heissen Tagen. Aktuell wird eine vollständig neue Hütte daneben gebaut, und an manchen Tagen war ein gewisser Zeitdruck spürbar…

Die Montagstour musste wegen Schnee im Sommer leider abgesagt werden und so schlugen wir uns die Zeit mit Berggeschichten, Bücher, Best Villars Schoggi um die Ohren. Aber Jan hatte eine bessere Idee und frischte unsere Knotentechnik auf, inklusive Abspiertechnik vam Horu! Zeitsparend, wers Horu kennt ,-)

Unsere Geduld wurde am darauf folgenden Tag mit stahlblauem Himmel und weissverschneiten Gipfeln belohnt. Nach kurzen Aufstieg über den Moiry Gletscher gelangten wir zum Einstieg der griffigen und lohnenswerten Gratkletterei am „Pointes de Mourty“ (3564 MüM). Es wurde eine Winterbegehung und Jan durfte den letzten Schneeteil zum Gipfel beinahe das Tauchbrevet absolvieren.

Die Sonne schmelzte ohne Erbarmen den Schnee von den Gräten, so dass wir am Dienstag eine wunderschöne trockene Kletterei mit Überschreitung der „Aiguilles de la Lé“ (3100 MüM.) in Angriff nehmen konnten. Der Einstieg findet sich leicht hinter der Hütte, nur ist nach einer Stunde einfach kein Hacken mehr auffindbar. Während ich mich etwas fester am letzten Stand festhielt, hatten andere immer mehr Freude, je ausgesetzter und abenteuerlicher die Kletterei wurde. Auf jeden Fall wurde der Aufstieg mit einer grandiosen Aussicht auf Weisshorn, Zinal und co belohnt. Die Traversierung bot einige Stunden wunderschöne, abwechslungsreiche Gratkletterei im Plaisir Stil und „Alban der Lange“ war uns stets 3 Beinlängen voraus. Aber wehe, wenn die Jäger sich wieder heimisch fühlen: beim steilen Abstieg im unwegsamen Gelände war Beat kaum mehr zu halten, also uns wurde ungemütlich in dem Tempo. Vielleicht hat er auch einfach nur den „Aaackerhasu“ gewittert, der auf einmal um die Ecke gebogen kam. Nach dieser Tour jedenfalls schmeckte das Calanda vor der Hütte so gut wie noch nie.

Leider wurde im Rhamen des Umbaus das Bad einfach frühzeitig abgerissen. Unverständlich für eine Berghütte die viele Tagesgäste bewirtet. Meine männlichen Kollegen waren auch sonst mit der Bauführung und Planung nicht immer einverstanden. Auch mir wollte es nicht einleuchten warum man um 21 30 Uhr noch Felsen-Aushub spitzen musste. Serge stiess am späten Abend noch zu uns, Jean-Paul konnte leider nicht von der Arbeit weg. Für Donnerstag hatten wir das Wochen- Highlight auf dem Programm: „Le grand Cornier“ (3962 MüM).

Um vier Uhr morgens brachen wir auf. Bereits am Bergschrund der nicht nur Trittschnee bot, drehte das Wetter um und dichte Wolken zogen auf. Doch der lange Grat lockte - und in einer zweier und einer dreier Seilschaft kamen wir gut voran. Ich empfand die Kletterei als sehr anspruchsvoll, speziell mit den Steigeisen.  Einige Passagen waren ausgesetzt und schwierig, besonders im Vorstieg. Eine Stelle wurde sodann auch artif geklettert und am legendären Piano zeigte Serge im Vorstieg eine reife Leistung. Kurz vor dem Gipfel hatte uns das Wetter eingeholt und zwang uns zum Abstieg -  mit uns zwei „Gebspez“ aus der Innerschweiz. Zurück auf dem Gletscher hatte sich das Wetter beruhigt, es war bedeckt und schneite leicht. Und wenn man schon bis hier gegangen ist, warum nicht noch ein oder zwei Gipfel anhängen? So bestiegen wir auf dem Rückweg noch den „dritten“ und „zweiten Bouquetins“. Als Jan fragte: „mäget iär nu?“ und wir im Gipfelrausch: „ja ja“ antworteten, setzte er den Blinker und wir bestiegen über die Abstiegsroute den „Pigne de la Lé“ (3396 MüM). Nach 13 Stunden Tour schmeckte das Bier erneut gut und die anderen Führer auf der Hütte hatte was zu reden…

Am letzten Tag hing der Nebel noch tief in den Gipfeln und die Gräte waren nass. Wir entschieden uns für einen Ausbildungstag auf dem Gletscher. Neben Spaltenrettung, Flaschenzug und Steigeiseneinsatz war vor allem die Demonstration der Kraft, die entsteht wenn einer in die Spalte fällt, eindrücklich und lehrreich. Eine abwechslungsreiche Woche in einer nahe gelegenen Region, die noch viel zu bieten hat, ging zu Ende. Ich konnte extrem viel mitnehmen, nicht nur an schönen Erlebnissen sondern auch an Kameradschaft und Bergtechnik.

Es grossus Merci va isch alle an de Jan, der isch en super schöni Wucha meglich macht het, fer schin Iisatz und schiini herrlich unbeschwerti Art. Merci äu an de Philippe fer schini Organisation und d Vorschläg fer di Wucha.