Führertour auf das Nesthorn (11./12. August 2012)

Es soll eine lange Tour werden, aber Jan hat das gleich relativiert. "Läng isch 25 Stund!" Das Nesthorn haben wir mit allen Pausen in 14 Stunden bis zurück zum Parkplatz Mund geschafft und wir waren dann auch geschafft!

Am Samstag starten wir um 11.00 Uhr im Depot und verabreden uns vorerst für eine Stärkung in der Konditorei Volken in Naters, um die Zu- und vor allem die Heimfahrt von Mund am Sonntag-nachmittag zu koordinieren. Ein Auto stellten wir deshalb in Mund ab und starteten dann mit der Bahn von Blatten nach Belalp, von wo ein sehr schöner Panoramaweg zur Oberaletschhütte führt. In der gleissenden Mittagssonne haben wir den Weg unter die Füsse genommen und lernen schon allerhand über die Tour, über die Fusshörner und die umliegenden Berge.

Um 2.30 Uhr war Tagwache und gemütliches Frühstücken, nur unsere kleine Gruppe allein. Die restlichen Hüttenbewohner waren entweder schon auf’s Aletschhorn gestartet oder schnarchten noch friedlich nachdem sie am Abend tüchtig gefeiert hatten. Denis und Fabian werden vor uns gehen, denn sie haben sich den Nordostgrat vorgenommen. Wir folgen ihnen gemütlich und steigen ebenfalls von der Hütte auf den Oberaletschgletscher ab. Der Weg ist mit Drahtseilen gesichert und führt über mehrere Leitern. Im Schein der Stirnlampen steigen wir auf dem Beichgletscher hoch. Das Nesthorn immer zu unserer linken Seite. Wir umrunden es quasi zuerst (wie ist das jetzt mit dem Daumen: wenn das der Tüüme isch, denn müesch hie in d’Rundi!!).

Am Talende gilt es dann ernst, der Beichgletscher wird sehr steil. Wir steigen immer in gemächlichem Tempo den Gletscher hoch an den Lonzahörnern vorbei. Es tagt bereits und am Himmel zeigen sich unglaublich schöne Lichtbilder. Der Gletscher ist stark zerklüftet und wir sehen mächtige Spalten. Die umgehen unsere Führer mit Bravour, bis wir dann an eine grosse Spalte kommen, bei der wir nicht umhinkommen, sie zu überqueren. Da schlägt das Bergsteigerherz von Jan erst recht hoch und er springt da in den Spaltenwänden herum wie auf einem Spielplatz und schlägt uns Stufen und Hilfsgriffe. Wir als Laien staunen nur noch. Da wir ja im Eiskurs auf der Alpia waren, haben wir ja hoffentlich etwas gelernt und gehen mutig durch diese Spalten, klar etwas Hilfe benötigten wir dennoch. Aber das war ein Erlebnis, das unsere bereits angespannten Achilles-Sehnen  und Waden etwas auflockerte.

Nun geht es weiter mit Ziel, das Plateau oben beim Lötschentaler Breithorn zu queren. Beim Gredetschjoch gönnen wir uns dann wieder eine verdiente Pause. Trotzdem gilt, bei dieser langen Tour, immer wieder die Zeit nicht aus den Augen zu verlieren, so wird dann halt die Pause für die einen etwas kürzer. Vom Gredetschjoch klettern wir den Westgrat hoch zum Vorgipfel und von da über einen Schneegrat zum eigentlich finalen Gipfelaufstieg. Der Firn ist recht steil aber griffig und verlangt uns die letzte Konzentration und Kraft ab. Ein wenig auf die Zähne beissen müssen wir schon, aber wir ziehen das durch.

Auf dem Gipfel war die Begeisterung gross, rund herum eine gewaltige Gipfelparade von den Berner Grossen zu den Wallisser Top Grössen und ganz in der Nähe das gewaltige Bietschhorn. Nun fehlen uns aber noch Denis und Fabian, die sich offenbar nicht weit unterhalb des Gipfels befinden sollen. Wir setzen uns am Gipfelhang im Windschatten wie auf einer Tribüne hin und warten bis die zwei auftauchen und die letzten Meter hinter sich bringen. Für sie war der Aufstieg, wenn auch nicht so weit (streckenmässig) so dafür etwas anspruchsvoller.

Den Abstieg nehmen wir alle gemeinsam vor, wieder zurück über den Westgrat auf das Gredetschjoch, wo wir uns abseilen. Hier ist äusserste Vorsicht wegen den vielen losen Steinen geboten. Anschliessend war Abfahren auf Schnee und Gletscher angesagt. Für diejenigen unter uns, die schon etwas müde Beine hatten, war Gleichgewicht halten nicht mehr so einfach, so dass mancher Schritt in einer Rutschpartie auf dem Hosenboden endete. Zwischendurch machten wir immer mal wieder Pause und leerten unsere Lunchsäcke.

Nach einem endlos langen Abstieg durch Geröll und Kies erreichten wir dann endlich den Talboden des Gredetschtales. Wer da gemeint hat, dass es jetzt dann nur noch gleich ums Eck geht, hat sich getäuscht. Etwa 2 Stunden müssen wir noch rechnen und das zieht sich dann ziemlich in die Länge. Die Schnelleren von uns legen einen Zacken zu und holen für uns die Autos in Blatten. Der Rest folgt in gemächlicherem Tempo nach Mund. Während wir auf unseren Taxidienst warten, legen sich die einen auf eine schöne Bank und schlafen und die anderen kneippen in einer Suone. Unsere Führer hatten nicht nur die Autos geholt sondern auch noch ein erfrischendes Bier besorgt, so dass mal zuerst auf die Tour angestossen wird.

Das war eine wunderschöne, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tour, die einiges an Kondition und Konzentration abverlangte. Genial, dass wir diesen schönen Berg erklimmen konnten.

Herzlichen Dank Euch zwei Jan und Jean-Paul, Ihr habt ja wieder alles gegeben und dabei mit Eurem Witz und Humor die anstrengende Seite einer solchen Tour aufgelockert. Wir haben uns alle extrem wohl mit Euch gefühlt und es hat wieder – wie immer - enorm Spass gemacht. Und danke für den beispielhaft guten Gruppenzusammenhalt!!