Kletterwoche im Alpstein-Gebiet - Juli 2013

Hochtourentage in den Hautes Dauphinés hätten es sein sollen, doch der viele Schnee, der immer noch in den Bergen lag, machte uns einen Strich durch die Rechnung. Kurzum hat Jan entschieden, dass wir in den Alpstein klettern gehen.

Zu sechst, Jan, Denis, Myriam, Serge, Irina und Dorothée sind am Montag Richtung  Appenzellerland gestartet und haben uns in Brülisau getroffen, wo wir uns zuerst mit Pizza gestärkt haben. Der Aufstieg zum Gasthaus Bollenwees ist ein steiler Weg am Säntissersee vorbei, über weite Alpweiden bis zum Fählensee, wo das Gasthaus einen Logenplatz mit Terrasse hat.

Wie es sich gehört, wird zuerst der Durst gelöscht und dann die Routen für die nächsten Tage studiert. Ringsherum stechen steile Wände in den Himmel, so dass ich gar nicht daran glaube, dass wir da jemals hochklettern werden.

Am nächsten Tag steigen wir den Weg an der Hundsteinhütte SAC vorbei über einen steilen Bergweg an den Einstieg der Kletterrouten. Für heute ist der Fähnligipfel der Wideralpstöcke unser Ziel. Wir teilen uns in drei Seilschaften auf. Wir machen das alte Südplättli und Denis und Irina wagen sich an die Ostkante. Es ist zwar super griffiger Kalk, aber der Einstieg ist sehr schwierig und ist mehr als eine 5. Für den Abstieg konnten wir uns einfach Abseilen. Die Temperaturen waren schon ziemlich warm, so dass sich Myriam und Irina auf dem Rückweg im ziemlich kalten Fählensee  erfrischen.  

Für den zweiten Tourentag gehen wir nochmals Richtung Wideralpstöcke, doch diesmal wollen wir die Hurlibutz Routen ausprobieren. Unterwegs haben wir das technische Material sowie unsere Helme unter einem Fels deponiert, so mussten wir nicht wieder alles hochschleppen.

Diesmal hatten Serge und Myriam sowie Denis und Irina einen ziemlich happigen Einstieg. Kaum Griffe und Tritte, alles auf Reibung. Für die Vorsteiger eine Herausforderung. Jan hat für uns zwei eine Spezialroute ausgewählt – die Dorli-Wickty Route. Der Einstieg war ebenfalls schwer, denn es musste eine Kanzel überwunden werden und nachher war weit und breit kein Bohrhaken mehr zu sehen, so dass Jan immer wieder mal eine Sanduhr oder einen Friend setzen musste. Oben angekommen, haben wir dann auf einer Felsplatte auf die anderen gewartet und immer wieder Photos gemacht.

Dann Abseilen über die Chli Höll. Das ist ein richtiges Abenteuer, denn plötzlich ist keine Wand mehr da, nur noch Luft und wir lassen uns regelrecht  in den Schlund einer Hölle absinken. Unten angekommen, müssen wir uns in Deckung bringen wegen möglichem Steinschlag.

Schon früh zurück im Berggasthaus gönnen wir uns ein kaltes Plättli und eine Schüssel Salat und legen uns dann faul in die Alpweiden. Es wurde uns dann aber relativ schnell zu heiss und so kam es dann, dass plötzlich die ganze Mannschaft mitten am Nachmittag  im Lager schlief.

Am Abend hat uns der Wirt mit einem Hörnligratin spezial (Älplermagronen und viel Zwiebelschweize) überrascht. Wir haben gegessen, bis wir fast platzten. Dazu ein feiner Wein.

Bei schönstem klaren Wetter starteten wir zur Saxerlücke  und von da über eine wunderschöne Alp zu den Kreuzbergen und steigen dann in die Lucke zwischen dem dritten und vierten Kreuzberg auf. Dahinter versteckt sich das schmale Südrippli, ein Pfeiler, kaum ein Meter breit, links und rechts geht es einfach senkrecht hinunter. Das ganze wurde immer wieder in Nebelschwaden getaucht – richtig mystisch und schon fast filmreif. Jan sang schon seit dem Morgen seine Lieder, sehr kreativ aber nicht sehr melodisch. Das machte mich bereits nervös. Denis und Irina wagen sich an den Schwartenpfeiler gleich rechts von uns.

Dieses schmale Südrippli hatte es in sich. Bei der letzten Schlüsselstelle haben wir länger auf die anderen gewartet, damit wir Photos von ihnen machen konnten und so kam es, dass wir alle wie die Tiere im Zoo gesungen, gejoolt und geblöckt haben. Das kann nur der SAC  Zaniglas sein! Die Stimmung wurde immer besser. Das Freilichttheater konnte starten.

Nun noch eine Schlüsselstelle. Wir müssen rechts um einen Felssporn in eine Lücke hochsteigen. Wieder ein Klimmzug und das einfach nur mit Luft unter dem Hintern. Oben angekommen ging es dann wie über einen Grat. Da aufrecht zu stehen und zu gehen, braucht gerade etwas Mut. Wir können alle stolz sein auf diese Leistung. Das Südrippli mündet in eine Graskanzel und von da kann man leicht auf den Gipfel des vierten Kreuzberges steigen.

Wer da gedacht hat, dass wir einfach gratulieren und ein Gipfelphoto machen, der kennt uns nicht und noch weniger Jan. Mit drei Kameras ausgerüstet machen wir den Harmel Shake  Blues. Zum Totlachen – Video auf Picasa.

Vom Gipfel geht es am kurzen Seil zwischen dem schmalen Südrippli und dem eigentlichen Berg durch einen schmalen Schlund zurück zur Einstiegsstelle. Von da nochmals am kurzen Seil hinunter bis auf die Alp, wo wir uns wieder von unserem Klettergurt, Helm und Material befreien können.

Unglaublich glücklich über das Geleistete wandern wir wieder zum Berggasthaus Bollenwees zurück. Auf der Terrasse machen wir uns hinter unseren Proviant, denn wir beschlossen, dass wir am nächsten Tag nur noch gemütlich absteigen und heimfahren. Für das Abendessen hatte uns der Wirt ein besonderes Essen versprochen – Lammnierstück mit selbstgemachten Maiskroketten und Gemüse. Einfach köstlich. Dazu feinen Wein. Ein Freund von mir aus Appenzell kam am Abend noch zu Besuch und brachte unseren Bergführern auf meine Bitte hin „Snüs“. Da war der Abend gerettet.  Es wurde immer lustiger und süffiger und so haben wir unsere Tourentage gebührend gefeiert. Das Wirtepaar hatte an uns richtig Freude. Begleitet wurde der Abend noch mit schönen Einlagen des Jodelchors von Appenzell und Serge wurde dabei ganz andächtig.  In dieser Umgebung einfach traumhaft schön zum zuhören.

Am Freitag  haben wir eine Stunde länger geschlafen, ein schönes Frühstück genommen und unsere Rucksäcke gepackt. Grosse Rucksäcke sind hier keine Seltenheit, doch haben wir kaum Kletterer angetroffen, obwohl es ein wunderschönes Klettergebiet ist.  Von Wanderern angesprochen, für was wir denn die Seile mittragen, antwortete Denis dann spontan, dass da oben so wilde Kühe seien, da müsse man sich anseilen, wenn man den Weg gehen wolle. Auch am letzten Tag blieb der Spass und der Humor nicht auf der Strecke und wir hatten eine schöne Heimfahrt mit Mittagessen auf dem Ricken.

Super cooli Wucha, viil profitiert. Ä chlini Wälle und än grosse Applaus an Jan und Denis.