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Kletter-Weekend in Mergozzo

von Philippe Chanton

vom 12. / 13. Juni 2004

Wenn der Schweiss zwischen den Arschbacken Schaum schlägt, ja dann ist die JO-SAC Zaniglas in der Region Mergozzo, genauer gesagt in Montorfano am Klettern. Nach einem strengen und kalten Winter ist man sich ja eine gröbere Hitze auch gar nicht mehr gewohnt. Trotz diesen scheinbar mühsamen Voraussetzungen fanden sich doch 15 Wagemutige zu diesem Ausflug in die italienischsprachige Region, wobei wir sicher dem Regen im Oberwallis ausweichen konnten. Alle Wege nach Italien führen über den Simplon (jedenfalls die der JO-SAC Zaniglas) und dort zur Bäckerei Arnold in Simplon-Dorf. Es wäre ja eine Schande die Köstlichkeiten wie Crèmeschnitten, Nusstorten oder andere Leckereien einfach so links liegen zu lassen. Aber eigentlich waren wir ja nicht auf einer Schlemmertour und erreichten schlussendlich den Lago di Mergozzo und fanden einen kiesigen Platz im Camping delle Fate direkt am See. Einige Zelte standen so nahe am Wasser, dass man am Morgen beim Aufstehen direkt ein Bad nehmen konnte.

Beim Anblick des Sees und der herrschenden Hitze kam eigentlich gar keine Lust zum Klettern auf. Aber wir überwanden uns trotzdem und dank Serge’s Ortskenntnisse fanden wir die Kletterrouten auch auf Anhieb. Reibung war angesagt – und das auf heissen Steinen, welche aussahen wie Schmiergelpapier. Einige schwarz gefärbte Passagen sahen nicht nur aus wie Kohlen, sie fühlten sich auch so an – nämlich heiss! All das hielt Rachel jedoch nicht ab, sich auch mal Barfuss die Wand hochzukraxeln. Für die anderen Profis unsere Truppe wurde es hier allerdings zu langweilig und sie fanden viel interessantere Routen an der Südwand, von wo aus man einen prächtigen Blick auf den Lago Maggiore und den Lago di Mergozzo geniessen konnte. Schöne, meist überhängende Routen wurden hier ein Opfer unserer Kletterasse, wobei auch einige geniale Fotos entstanden.

Irgendwann hat uns aber doch die Lust aufs Baden übermannt und wir genossen den herrlichen Abend im kleinen Mergozzo-See bevor wir im nahegelegenen Ristorante Riesenpizzas verdrückten. Hier endlich trafen nun auch Jan und Isabelle ein, nachdem wir unzählige SMS über Probleme und Pannen mit ihrem Auto erhielten – man musste schon das schlimmste befürchten.

Gemessen an der Nachtaktivität einiger Festbrüder muss der nächste Morgen für manche hart gewesen sein – die Camping-Nachbarn waren wohl auch froh, dass die Kletterbande nun weiterzog...
...und zwar zurück in die Schweiz, nach Arcegno im Tessin, wo schon ein reger Betrieb herrschte und man sich für eine Route schon fast in eine Warteliste einschreiben musste. Cheibu vill Grüezini hets hie ka – wobei einer bemerkte, dass es ja naheliegend sei, dass die Walliser bis ins Tessin klettern kommen - Hauptsache eine schlaue Bemerkung...

Trotz vielzähligen Überredungskünsten haben wir es an diesem Tag nicht geschafft Isabelle an ein Seil zu kriegen und sie die Wand hinaufzujagen, dafür waren unsere JO-Jungs fast nicht mehr zu bremsen. Aber auch der schönste Tag nimmt einmal ein Ende - für uns in einem wunderschön eingerichteten Grotto. Im Gegensatz zu den Riesenpizzas vom Samstag wurden hier nun Miniportionen serviert – schade eigentlich, denn das Ambiente war wirklich sehr einladend. Nun denn, mit noch vorhandenem Hunger quietschten wir uns durch die unzähligen Kurven des Centovalli wieder zurück ins Wallis – das Ende eines tollen Kletterwochenendes. Was vorerst als Notlösung angefangen hat, entwickelte sich zu einem ganz tollen Weekend. Ein mille grazie an Alban, der trotz Absenz seiner besseren Seite (Claudia kraxelt in Südamerika herum) das Wochenende toll organisiert und uns begleitet hat.

       

   

 

Fotos von Serge + Jean-Paul