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Tourentage im Land der Nebelhörner
(Region des Grossen St-Bernhard)

von Philippe Chanton

7. bis 10. April 2005

Teilnehmer: Jan, Damian, Serge, Myriam, Claudia, Philippe

 

 

 

 

 

Aus allen Himmelsrichtungen und grossen Agglomerationen (Bern, Lausanne, Zermatt, Embd) trafen sie ein, die Teilnehmer an den diesjährigen Tourentagen in der Region des Grossen St-Bernhard. Herr Bucheli vom Meteo drohte uns schon seit einer Woche schlechtes Wetter an - doch so recht mochten wir nicht daran glauben. Am Donnerstag morgen in Bourg-St-Bernard bewahrheitete sich jedoch Bucheli's Prognose: "Schnijundi Guxa" und ein Wetter bei welchem man sonst keinen Hund vor die Türe lässt. Aber der Bucheli hatte die Rechnung nicht mit den 6 "hertu Sieche" vom SAC Zaniglas gemacht. Dem Schnee, Nebel und Wind trotzend nahmen wir den Aufstieg zum Pass des Grossen St-Bernhard in Angriff. Schon nach einer Weile begann es bei Damian und Myriam zu "tschollen" und wir mussten alle paar Meter eine dicke Schneeschicht von den Fellen kratzen. Man war versucht zu meinen, dass die Mönche des Grossen St-Bernhard alles mögliche unternahmen um uns von ihrem Hospiz fernzuhalten. Schlussendlich trafen wir doch noch bei den letztgenannten ein und wurden von Ihnen mit Suppe und feinem Alpenkäse versorgt. Die Zimmer im Hospiz waren phänomenal mit richtig viel Platz. Den restlichen Tag verbrachten wir nun mit Tourenvorbereitungen wie Karten studieren, Azimute errechnen und zur Messe gehen. Naja und Serge konnte sich einfach nicht von seinen mathematischen Exkursen von Radius, Wurzel, Pi usw trennen...

Am Freitag morgen sah das Wetter keinen Deut besser aus als am Vortag. Inzwischen hat uns Frau Holle ca. 70cm Schnee vor das Hospiz gelegt und sie war immer noch am schneien. Die anfängliche Motivation von Jan zu einer kleinen Tour  wurde sobald wir uns im Freien befanden sprichwörtlich im Schnee erstickt. Da blieb uns keine andere Wahl, als die Mönche wieder zu verlassen und hinunter zu den Autos zu fahren. Viel konnte man beim Runterfahren jedoch nicht sehen, aber Pulverschnee war zur Genüge vorhanden. Zum Glück hatten wir schon vor den Tourentagen mit der Möglichkeit von Schlechtwetter spekuliert - so konnten wir nun in der Kletterhalle des SAC Martinach zumindest unsere Kletterfähigkeiten etwas aufarbeiten. Diese Halle unserer welschen Kollegen ist wirklich zu empfehlen und bietet Möglichkeiten aller Schwierigkeitsgrade. Ja und dann gibts im Unterwallis ja auch noch ganz feinen Rebensaft. In unserem Hotel "Bivouac Napoleon" in Bourg-St-Pierre fanden wir eine vorzügliche Weinkarte vor, welche wir nun sehr ausführlich zu degustieren begannen. Und so nebenbei: es schneite immer noch...

Am Samstag morgen mussten wir erstmal unsere Autos vom Neuschnee befreien, bevor wir überhaupt aufbrechen konnten. Jan hatte am Vorabend noch die Karte studiert und konnte uns nun eine interessante und ungefährliche Skitour vorschlagen, welche wir doch glatt akzeptierten - was wollten wir sonst auch machen bei dem Sch...wetter (Schneewetter). Nachdem auch Jan seine Felle wieder gefunden hatte - denen gefiel es anscheinend im Zimmer besser als in Jan's Rucksack - fanden wir uns oberhalb Dranses in Vichères wieder. Hier stiegen wir eine bereits geschlossene Skipiste hoch, welche durch den Neuschnee nun wieder befahrbar wurde. Je höher wir stiegen, umso dicker wurde der Nebel, die Bäume wurden rarer aber zum Glück trafen wir ab und zu einen Skiliftmasten, welcher uns wieder die Richtung korrigierte. Schlussendlich fanden wir doch noch eines dieser vielen Nebelhörner, welches wir nun als unser Tagesziel deklarierten. Zumindest die Abfahrt konnte sich heute sehen lassen - durch knietiefen Pulverschnee an schönen Hängen fanden wir doch noch unseren Spass. Gegen Ende der Abfahrt durfte man einfach keine Kurven mehr fahren, ansonsten heulten die Skis mit entsprechenden Kratzgeräuschen auf. In dieser doch etwas verlassenen Gegend fanden wir - und darin haben wir ja Übung - noch eine offene Beiz - und sogar eine mit Live-Musik! Extra für uns erhob sich der Patron von seinem Sofa und griff zum Akkordeon und spielte uns einige Stücke vor! Nun gut, lange hielten wir es hier nicht aus und wir fanden ein Restaurant in Liddes, wo man uns köstliche Käseschnitten servierte - und dies dank Sandrine, welche den Beizer überreden konnte uns um halb 4 noch etwas zu kochen. Ein schlussendlich schöner Tourentag fand sein Ende wieder bei einer ausführlichen Weindegustation in unserem Hotel, wobei uns Sandrine nach Mitternacht bereits mit Nachschub versorgen musste - wir hatten ausgeschossen...

Heute am Sonntag wollten wir nun endlich einen richtigen Gipfel erklimmen und das Wetter war tatsächlich besser als die Vortage - zumindest der Schneefall hatte nun aufgehört. Den Mont Telliers wollten wir uns heute zur Brust nehmen und wir starteten frohen Mutes in Bourg-St-Bernard. Mit Sandrine als lokale Verstärkung hofften wir nun die Wettergötter etwas milder zu stimmen und uns zumindest ein Nebelhorn erklimmen zu lassen. Jan war heidenfroh, dass bereits jemand vor uns eine schöne Spur in den tiefen Neuschnee gestampft hatte und wir dieser lediglich zu folgen brauchten. Die Orientierung im zum Teil dichten Nebel war alles andere als einfach. Ab und zu sah man doch die Sonne und einige nebelfreie Gipfel. Die Welschen haben tatsächlich auch schöne Berge - nach 4 Tagen Nebel begannen wir ernsthaft daran zu zweifeln. Doch auch heute sollte es uns wieder nicht bis auf den Gipfel reichen - zuviel Neuschnee fanden wir beim Schlusscouloir vor. Somit begnügten wir uns mit dem Holländergipfel - dem "Dutch Summit" wie wir einem verdutzten Tourengänger erklärten. Nach einer teilweise steinigen Abfahrt fanden wir unsere Autos wieder und wir beschlossen wieder in unsere neue Stammbeiz "Auberge des Alpes" nach Liddes zu fahren. Welch ein toller Abschluss der Tourentage konnten wir nun geniessen: Walliser Trockenfleisch und Raclette mit Johannisberg, da vergisst man jedes schlechte Wetter. Hierbei fanden wir auch heraus, dass die Luftseilbahn Kalpetran-Embd neuerdings Alkoholtests vor der Bähnlifahrt durchführt - nach dem Motto: wer trinkt, fährt nicht!

Trotz der misslichen Wetterverhältnisse hatten die 6 Teilnehmer doch einen höllen Spass im Unterwallis. Besten Dank an Jan für die super Tourenführung und allen anderen für die tolle Stimmung während den 4 Tagen im Welschen.

 

 

 

 

 

 

 

Photos: Damian + Serge