Tourentage Graubünda (7.-10. Juli 2016)

Frontag, 7.7.2016

Trotz der Ansage von zwei hoch interessanten Touren im Bündnerland, wurde die 5-stündige Reise von nur vier SAC-Mitgliedern (Elsbeth, Beat, Dominique, Jean-Paul) in Angriff genommen. Es machte Ihnen nichts aus, in aller Früh um 06:30 Uhr gen Ostalpen aufzubrechen. Nach einem Kaffeekränzchen in Andermatt, wo schon das erste Tier (Fischreiher) gesichtet wurde, und einem versehentlichen Abstecher nach Chur, wurde in Pontresina vorerst spärlich gespiesen. Denn bereits jetzt schon wurde die Sprachbarriere und somit die Nähe zu Italien spürbar. Um zu Saisonbeginn die Kräfte noch zu schonen wurde am ersten Tag der Aufstieg auf eine Hütte und zwar die Diavolezza-“Hütte“, bzw. -Hotel mit einer Seilbahn umgangen. Dafür wurde nach dem Check-In der Piz Trovat mittels eines Klettersteigs erklommen. Hier wurde durch Jean-Paul, den Bergführer, gut auf die Beinarbeit geachtet. Was heissen will, dass die Hilfseisen mit den Beinen nicht benutzt werden konnten und dadurch die Bergschuhe “eingeklettert“ wurden. Während des Aufstiegs brachte die Hängebrücke eine luftige Abwechslung zur Kletterei. Zurück in der “Hütte“ wurde nach einem 4-Gänger in einem 4-er Zimmer tief und fest übernachtet.

Fritag, 8.7.2016

Am nächsten Morgen war um 03:20 Uhr Tagwacht. Wegen des ausgiebigen Morgen-Buffets verschob sich leider der Start in die Tourensaison ein bisschen. Als dann Sack und Pack bereit waren, wurde mit Stirnlampen und zügigem Tempo, vorbei am Piz Trovat, zum Persgletscher traversiert. Dabei mussten manche vor dem Anseilen zuerst den bremsenden “Ballast“ in der freien Natur loswerden. Von nun an wurde mit den Steigeisen ein gemächlicher, aber dennoch speditiver Gang eingelegt. In insgesamt 4 Stunden erreichten wir den Hauptgipfel des Piz Palü. Übrigens war noch ein weiterer Walliser-Führer, Martin Kimmig, mit einem Gast auf dem Palü unterwegs. Zum Dessert der Palü-Überschreitung gab es den doch etwas längeren Grat zu bewältigen. So, dass die Marco e Rosa Hütte erst nach weiteren 4 Stunden die 4 Walliser aus dem Nikolaital in Empfang nehmen durfte. Total übermüdet wurde am Nachmittag ein gänzliches Nickerchen genommen. Manche schliefen fast bis zum Abendessen, manche kaum ein Stündchen. Auf dieser Hütte war Schluss mit Kuscheltechnik. Denn wir übernachteten nun wie üblich in einem Massenlager und das Frühstück war eine schnelle Geschichte.

Samschtag, 9.7.2016

Am dritten Tag stand der Piz Bernina, der einzige 4000er der Ostalpen, von der Italiener-Seite aus auf dem Programm. Obwohl am Vortag die Wettervorhersage eher skeptisch war, konnte die Tour bei freiem Himmel angegangen werden. Sobald der Spallagrat begann, kamen trotzdem Nebelwolken auf. Dabei wurden die 4 Walliser regelrecht während des ganzen Grataufstiegs eingenebelt. Von diesem “Glück“ konnte allerdings nur ein einziger, eher weniger standhafter, Teilnehmer der Nikolai-Seilschaft profitieren.;) Weil es auf dem Bernina nach dem 2.5-stündigen Aufstieg und dem üblichen Gipfelfoto an Aussicht nichts zu holen gab, wurde der Abstieg postwendend in Angriff genommen. Wie es sein sollte, war 10 Minuten nach der Rückkehr in der Marco e Rosa Hütte der Piz Bernina wieder frei im Scheinwerferlicht ersichtlich. Und ein walliserischer Führer-Kolleg, der uns am Vorabend eine Genepì-Runde ausgegeben hatte, konnte mit seiner später gestarteten Seilschaft das Berninamassiv in vollen Zügen geniessen. Für die Zaniglasertruppe lag zum Schluss ein 5-stündiger Rückmarsch auf die Diavolezza-“Hütte“ bevor. Nach den gelungenen, harten Tourentagen zu Saisonbeginn gönnten wir uns ein Jacuzzi-Bad mit einer Früchteschale und dem obligaten Weissbier.

Sunntag, 10.7.2016

Zum Ausklang wurde am letzten Tag der Rot-, wie auch der Weisswein vom Vorabend ausgeschlafen. Das reichhaltige Morgen-Buffet auf der Diavolezza wurde zum letzten Mal ausgekostet. Auf dem Plan stand eine eher leichte Kletterei mit Bergschuhen. In der Nähe der Lagalp wurden 6 Routen unter der Beobachtung eines sehr zahmen, jungen Steinbocks eingerichtet. Auf dem Rückweg ins Auto wurden noch einige Blumen, u.a. auch einige der zahlreichen weissen Edelrosen als Souvenir gepflückt. Zum Mittag gab’s in Pontresina einen Besuch in der Pizzeria, wo wieder die glückliche Bernina-Seilschaft vorgefunden wurde. Die Heimreise mit Zwischenstopp in Andermatt war wiederum langwierig. Aber es hat sich allemal gelohnt die Ostalpen mit ihren tückischen Gräten kennen zu lernen. Das hat es in sich gehabt…

Liebe Bündner-Grüsse der Zaniglaser Viererkette