Wanderung Derborence – Sanetsch bei den wilden Taxifahrern
(1./2. Oktober 2016)

Wer von euch hat schon einmal die CO2-Treibhausgas-Angaben der Tourenbeschreibungen in der Zeitschrift das SAC studiert? In dieser Bilanz sieht die JO-SAC Zaniglas seit Jahren nicht sehr gut aus, da wir doch meistens mit Autos zu unseren Touren fahren. Nicht so an diesem ersten Oktober-Wochenende, wo uns die Wanderleiterin Priska zu einer Wandertour ins Mittelwallis einlud. Per Bahn trafen die 13 Teilnehmer aus allen Himmelsrichtungen in der Walliser Kantonshauptstadt ein um dort auf das Postauto Richtung Derborence umzusteigen.

Der nette Postautochauffeur ist nur einer von fünf Personen, welcher das grosse gelbe Gefährt durch die engen Kurven und Tunnels nach Derborence lenken darf. Zentimeter, ja Millimeter entscheiden hier, ob er am Abend neue Rückspiegel montieren muss. Vor einer steilen Flanke hielt er sogar an und liess uns aussteigen um die schöne Landschaft von Nahem zu bestaunen. Trotz gleichzeitiger Diskussion mit Priska lenkte der Chauffeur das grosse Postauto gekonnt durch alle Engpässe. Angekommen in Godey gönnten wir uns zunächst einmal ein Café. Die Stimmung in der Gruppe war bereits grandios – nur das Wetter hinterliess noch einen eher zweifelhaften und bedeckten Eindruck.

Den steilsten Teil des ganzen Wochenendes tischte uns Priska gleich zu Beginn auf. Vorbei am Stausee peilten wir schon rasch die engen Passagen des Poteu des Etales an. Gesichert mit Eisenstiften und Fixseilen stellte uns diese Passage keine wirkliche Schwierigkeit dar und wir konnten uns schon bald dem gemütlichen Mittags-Pic-Nic zuwenden. Katja’s Meraner-Cake war dabei der absolute Renner. Kombiniert mit Thomi’s Petite Arvine kredenzten wir fürstlich. Vielen Dank den beiden Spendern!

Von weitem konnte man nun schon die berühmten Karstenfelder des Sanetschpasses entdecken. Wind und dunkle Wolken aus dem Westen liessen nun unsere Pausen kürzer und unsere Schrittfrequenz höher werden. Kurz vor 16h00 trafen wir planmässig beim Hotel du Sanetsch ein. Gleich darauf setzte der Regen ein. Gutes Timing! Wie wir bald feststellen mussten, war der Hotelpächter nicht Mitglied eines Komikervereins, sondern eher ein Vertreter der trockenen Sorte. So lernten wir, dass nur unerfahrene Berggänger ohne Hüttenfinken zu ihm kommen. Zudem lernten wir, dass wenn das Bier aus ist, es wirklich kein Bier mehr gibt und es auch absolut keinen Interpretationsspielraum im Satz „il n’y a plus de bières“ gibt.

Was wir aber positiv hervorheben können, ist das tolle Wild-Essen, welches wir serviert bekamen. Zum Glück waren keine Vegetarier dabei – sie hätten das Gemüse vermisst. Bei der Weinauswahl hatten wir auch erst beim fünften Versuch Glück – die ersten vier waren alle schon ausgetrunken. Es herrschte so richtig „Ende Saison Stimmung“. Dem Hotelpächter wünschen wir auf jeden Fall eine schön lange Pause, damit er seine Batterien wieder aufladen kann.

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen liess hingegen keine Wünsche offen: Zopf, Honig, Müesli, Käse mit Kaffee oder Tee. Während der Nacht war es doch merklich kühler geworden und der Regen hat seine Spuren hinterlassen. So entschieden wir uns für den Plan C, welcher zunächst mit einem Abstieg begann. Den Regenschutz konnten wir nun gut gebrauchen, aber nicht für lange. Die Sonne setzte sich schon bald wieder durch und bescherte uns schlussendlich einen schön sonnigen Tag. Wir konnten gemütlich das Tal hinausschlendern und herrlich miteinander schwatzen.

Unser heutiges Ziel war die „Bisse de Savièse“ – eine mit mehreren Hängebrücken ausgestattete Suone, welche gut frequentiert ist. Die Initianten haben schon eindrücklich viel Geld und Arbeit in diese Suone investiert. Man sah sich in eine frühere Zeit versetzt, wo die Bergbauern noch Wasserleitungen durch schier unüberwindbare und steile Bergflanken bauten. Eine kleine Kapelle erinnerte dabei auch an die vielen Arbeiter früherer Zeiten. Thomas bewies uns, dass die Glocke trotz hoch hängendem und kurzem Seil doch noch funktionierte.

Eigentlich wäre der Tourenbericht am Ende der Suone auch zum Schluss gekommen. Aber dann trafen wir noch auf die „wilden Taxifahrer“ aus Sitten. Um den Weg nach Sitten zu verkürzen, organisierte uns Priska nämlich zwei Taxis. Diese kamen auch pünktlich, nur leider nicht zu dem Treffpunkt, welcher vereinbart wurde. Das nervte einen der beiden Taxifahrer so sehr, dass er schier eine Schlägerei mit dem anderen Taxifahrer startete. Nachdem er trotz grossem Zweifel seinen Kleinbus auf der wunderbar breiten Strasse wenden konnte, fuhr er in einem Höllentempo und bei nicht endenden Redesalven Richtung Sitten. Den Bahnhof von Sitten erreichten wir tatsächlich ohne Unfall und ohne Prügelei – ein „au revoir“ vom Fahrer war jedoch nicht mehr drin.

Ein tolles und ereignisreiches Wochenende nahm nun sein Ende und wir alle bedanken uns bei Priska für die Führung und das tolle Unterhaltungsprogramm mit dem netten Postautochauffeur, dem müden Hotelier sowie dem wilden Taxifahrer.