50 Jahr Jubiläum - eppis zum fiiru...

Abspaltung von der OG Brig

Anno 1969, am 25. April um 20h00 trafen sich 15 Bergbegeisterte im Restaurant Walliser Keller in St. Niklaus zur Gründungsversammlung des SAC Zaniglas.

Folgende Personen nahmen daran teil: Studer Josef(+), Sarbach Raymond, Zurbriggen Walter(+), Blaser Hans(+), Pollinger Arthur(+), Pollinger Anton(+), Götze Klaus, König Fredy(+), Biaggi Carlo(+), Lochmatter Arnold(+), Imboden Viktor(+), Gruber Gabriel(+), Chanton Beat, Fux Konrad und Schnydrig Walter(+).

Es wurde dabei beschlossen eine eigene Ortsgruppe zu gründen mit vorübergehend administrativem Verbleib in der Ortsgruppe Brig. Folgendes provisorisches Komitee wurde gewählt: Blaser Hans (Präsident), Brigger Kurt (Vize), Zurbriggen Walter (Aktuar), Studer Josef (Kassier), Sarbach Raymond (Tourenchef), Fux Konsti (Beisitzer).

Als Anektode sei erwähnt, dass der erwähnte Vize-Präsident Kurt Brigger aus Grächen gar nicht angefragt wurde und demnach das Amt auch nicht annahm.

Bis 1970 blieb die Ortsgruppe St. Niklaus noch eine Untergruppe der Ortsgruppe Brig, so dass das eigentliche Gründungsjahr unserer Ortsgruppe auf 1970 fixiert wurde. Als Clublokal wurde das Restaurant Walliser Keller bestimmt. Jeweils am Freitag vor jeder Bergtour fand dort anschliessend die Tourenbesprechung um 20h00 statt. Das Tourenprogramm für den Sommer 1969 sah folgende Aktivitäten vor: Balfrin, Gletschhorn Südgrat, Weissmies, Jägigrat, Brunegghorn, Raclette-Bummel auf der Moosalpe und ein Unterhaltungsabend im November....

 

Hans Blaser der Gründungspräsident

Hans Blaser war einer der aktivsten Initianten bei der Gründung der Ortsgruppe St. Niklaus. Er stand dem Verein von seiner Gründung bis 1981 als Präsident vor. Im April 1999 ist Hans im Alter von 71 Jahren verstorben. Im Archiv vom "Walliser Volksfreund" haben wir einen Text von ihm aus dem Jahre 1971 gefunden, welcher die Anfänge der Ortsgruppe gut zusammenfasst.

St. Niklaus war früher die Wiege der berühmtesten Führer und Pioniere des Alpinismus, so dass wir mit Berechtigung stolz sind, seit 1970 eine eigene OG des SAC zu bilden. Lange Jahre waren es 5-6 Alpenklubmitglieder, die der OG Brig angeschlossen, ihr bescheidenes Dasein in St. Niklaus fristeten. Durch rege Propaganda stieg die Mitgliederzahl rapid auf über 50 an und am 24. Mai 1970, anlässlich der Frühjahrsversammlung der Sektion Monte Rosa in Sorebois / Zinal wurde die OG St. Niklaus als 9. OG im Schosse der Sektion Monte Rosa mit allgemeinem Applaus aufgenommen.

Seither ist der Mitgliederbestand auf 68 angestiegen und es herrscht eine rege Tourentätigkeit und sehr gute Kameradschaft. Es wurde auch eine Jugendorganisation gebildet, in der Burschen und Mädchen von 14-22 Jahren mitmachen können und denen durch Kurse und Vorträge, Berg-und Skitouren die Schönheiten unserer Bergwelt gezeigt und die Technik des Bergsteigens und Skifahrens beigebracht werden. Nächstens wird in St. Niklaus und Umgebung eine Aufklärungs- und Werbekampagne über Sinn und Zweck der JO durchgeführt.

 

Fahnenweihe bei der Topalihütte

Zu einem richtigen Verein gehört auch eine richtige Standarte. Ein Jahr nach der Gründung der Ortsgruppe wurde 1971 eine eigene Vereinsfahne angeschafft und anlässlich einer Feier bei der Topalihütte eingeweiht.

Diese schöne Standarte wurde im heraldischen Atelier von W. Siegrist in Langenthal entworfen und ausgeführt. Geschenkt wurde sie der OG St. Niklaus von der Scintilla AG. Diese Fahne ist auch heute noch im Einsatz und kommt vor allem bei Beerdigungen oder Hochzeiten von Vereinsmitgliedern zum Einsatz. Die Fahne hängt heute in einem Kasten im Restaurant la Réserve. In unseren Archiven haben wir das folgende Tagesprogramm gefunden:

Als Fahnenpaten konnten Hans Schwartz und Marga Schock gewonnen werden. Hans Schwartz hat für diesen Anlass ein Gedicht zur Standarte geschrieben, welches im Übrigen seit 2005 in der neuen Topalihütte zu sehen ist.

Der neuen Standarte auf den Weg.

Noch bist du fein und kräftig in den Farben!
Geniess die Stund' hier oben in der Höh!
Zeig Freud und Lust, der Wind, er wird dich tragen!

Dem Freund der Berge wirst du fröhlich winken,
Der Freiheit Zeichen sollst du allen sein,
Solang den Firn da oben wir erblicken.

Bald wird der Sturm dich unsaft schlagen,
Der Strahl der Sonne lieblich dich umfasst,
Doch lange Jahre wirst du es ertragen.

Bis dann auch dir, vor Alter schwach und bleich,
Dein sanftes Ende wird beschieden sein,
Wie uns, so Gott will, einst das Himmelreich.

 

Gründung der Rettungsstation

Die Rettungsstation SAC ist seit jeher ein wichtiger Teil der Ortsgruppe. Seit ihrer Gründung 1975 amteten zunächst Konsti Fux, Raymond Sarbach, Jean-Pierre Knubel, Beat Sarbach und seit 1991 Hildebert Heinzmann als Rettungschef. Bei Berg- und Lawinenunfällen in der Region St. Niklaus kommt die Rettungsstation in den Einsatz. Im Walliser Boten vom Oktober 1975 wurden zwei kleinere Beiträge zur Gründung der Rettungsstation gefunden. Hier eine Zusammenfassung:

Nach mehrjährigem Bemühen des Vorstandes der OG St. Niklaus wurde am 8. Januar 1975 vom SAC-Zentralvorstand in Luzern die Gründung einer Rettungsstation St. Niklaus bewilligt. Konsti Fux, Bergführer, wurde als Rettungsobmann bestimmt und er verfügt über eine gut ausgebildete und trainierte Mannschaft von ca. 20 Ortsgruppenmitgliedern. Das notwendige Rettungsmaterial wurde grösstenteils von der OG St. Niklaus auf eigene Rechnung angeschafft. Den Rest stellte die Sektion Monte Rosa zur Verfügung.

Eine funktionstüchtige Rettungsstation ins Leben zu rufen ist keine Kleinigkeit. Es braucht eine ganze Truppe idealgesinnter Männer. Diese müssen fachgerecht ausgebildet und auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Da die Rettungsstation Blatten-Belalp über eine gut eingeschulte Mannschaft und über ein beträchtliches Warenlager an Rettungsgeräten und Seilschaften verfügt, wurde eine enge Zusammenarbeit angestrebt.

Am Sonntag 18. Oktober 1975 wurde im Klettergarten der OG oberhalb dem Bahnhof St. Niklaus gemeinsam mit der Rettungsstation Blatten-Belalp eine Rettungsdemonstration durchgeführt. Am Vormittag wurde geübt und repetiert und am Nachmittag wurden verschiedene Rettungsarten vordemonstriert, wobei auch das Stahlseilgerät der Rettungsstation Blatten-Belalp zum Einsatz gelangte. Die Leitung der gemeinsamen Übung hatte Josef Imhof aus Naters inne.

Dieses Bild entstand 1997 bei einer Vorführung der Rettungsstation.

 

Werbung in der Schule

Die Rekrutierung von jungen Nachwuchsbergsteigern war immer eine wichtige Aufgabe der Ortsgruppe. Im Walliser Boten vom 22. Dezember 1982 haben wir einen Beitrag von einer Werbeaktion in der OS von St. Niklaus gefunden.

Jean-Pierre Knubel, Horst Brantschen und Robert Sarbach gaben an den letzten drei Samstagen allen OS-Schülern einen Einblick in das Tätigkeitsfeld des SAC und insbesondere in die Möglichkeiten der Jugend bei der JO des SAC. Sie bewiesen dabei ein verblüffendes pädagogisches Geschick und verstanden es, mit viel Humor die Real- und Sekundarschüler für die gesunde Leidenschaft des Bergsteigens zu interessieren. Höhepunkt der rund zweistündigen Demonstrationen war jeweils das Abseilen vom Schulhausdach.

Jean-Pierre Knubel referierte über die Entstehung und Geschichte des Alpinismus und wies auf die Bedeutung von St. Niklaus für die Entwicklung des Alpinismus im Wallis hin, das damals die berühmten Pollinger, Knubel, Lochmatter hervorgebracht hatte. Horst Brantschen sprach über Klettertechnik und Rettung. Dabei stellte er auch das viele Material vor, welches dem modernen Bergsteigen zur Verfügung steht. Anhand alter und neuester Geräte zeigte er die rasante Entwicklung in diesem Sektor auf. Zwischen den Referaten sahen die Schüler drei von den Referenten selbst gedrehte Filme, die sie humorvoll aus dem Stegreif kommentierten. Der erste Film zeigt die Sankt Niklauser Horst Brantschen, Bruno Biffiger, Reto Lochmatter, Thomas Biner, Mauro Ferrari und Pius Schnidrig auf ihrer Expedition auf dem fast sechstausend Meter hohen Kilimandscharo.

Anhand des Films «Tourenbericht 81» und eigener Ausführungen skizzierte Robert Sarbach Wesen und Aufbau der JO des SAC. Er konnte auch den prachtvollen Klettergarten vorstellen, den die Ortsgruppe St. Niklaus seit einigen Jahren besitzt. Jugendliche über 14, die gerne klettern und wandern oder Skitouren lieben, können sich bei Robert Sarbach oder Horst Brantschen anmelden, um in der JO des SAC mitzumachen.

 

Mauro eröffnet Bergsteigerschule

Die Zusammenarbeit zwischen der JO und den Bergführern war seit jeher sehr eng in St. Niklaus. Viele der heutigen Bergführer haben ihre Bergtätigkeiten bei der JO der OG St. Niklaus gestartet. Neben Bruno Biffiger war auch Mauro Ferrari sehr aktiv das Bergsteigen in Zaniglas zu fördern. Im WB vom 9. Februar 1984 fanden wir folgenden Beitrag:

Letzthin wurde in St. Niklaus eine Bergsteigerschule ins Leben gerufen, welche den Namen «Bergsteigerschule Nikolaital» trägt. Die Idee, eine solche Schule in St. Niklaus zu eröffnen, ist schon seit einigen Jahren überdacht worden — jetzt ist jene Idee in Erfüllung gegangen. Der Initiant dieser Schule war Mauro Ferrari zusammen mit den Bergführeraspiranten von St. Niklaus und einem Aspiranten von Visperterminen, welche ihn dazu bestens unterstützten.

Warum eine Bergsteigerschule?
Kurz nach 1800 kam in den Walliser Tälern allmählich der Alpinismus auf. Bergbesteigungen mit Führern gab es zuerst im Mont-Blanc-Gebiet 1786, wenige Jahre darauf auch im Jungfrau-Gebiet und im inneren Nikolaital. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg im Nikolaital der Touristenstrom rapide an. «Schuld» daran war natürlich Zermatt, vor allem aber das Matterhorn. Von diesem «Boom» profitierten in erster Linie jene waghalsigen Männer, welche die ausländischen Gäste auf die Gipfel hinauflotsten. Dass die Zaniglaser Bergführer schon damals einen guten Ruf besassen, beweist die Tatsache, dass sich E. Whymper im Winter öfters in St. Niklaus aufhielt. Für viele Männer war der Führerberuf die einzige Verdientsmöglichkeit. Es war sehr wichtig, dass sie in der Fremde einen Namen hatten, d.h. als gute Führer bekannt waren. Seit dieser Pionierzeit hat sich einiges verändert. Nicht zu verwundern, dass heute in St. Niklaus viele junge Burschen den Bergführerberuf erlernen, waren doch ihre Grossväter die grössten Vorbilder, welche es damals gab. Was jene Grossväter ins Auge gefasst hatten, wird nun heute verwirklicht. lnitiant Mauro Ferrari ist zuversichtlich. Er erhofft sich auch, dass verschiedene junge, aber auch ältere Leute vermehrt für dieses herrliche Hobby Bergsteigen motiviert werden können. Ferner wird auch Gästen, welche ihre Ferien in Zaniglas und Umgebung verbringen, die Möglichkeit ge-boten, mit einem Bergführer aus der Bergsteigerschule Nikolaital Berge zu erklimmen. Somit brauchen die Gäste in Zukunft auch nicht mehr «in die Ferne zu schweifen», um sich einen Bergführer zu besorgen.

Wer ist Mauro Ferrari?
Mauro Ferrari wurde am 28. Juni 1950 in Rovereto (Südtirol) geboren, hier erlangte er auch das internationale Bergführerdiplom. Seit 15 Jahren lebt Mauro Ferrari nun in St. Niklaus. Er ist verheiratet mit Theres Biner und Vater von zwei Töchtern. Beruflich betreibt Mauro Ferrari einen eigenen Schreinerei- und Zimmerei-Betrieb von gutem Rufe. Am 1. September 1983 entschied der Staatsrat, dass Ferrari ab sofort den Beruf eines Bergführers im Wallis ausüben kann. Er hat mehrere Erstbesteigungen im In- und Ausland hinter sich.

Die JO St. Niklaus
Die Idee und der Wille, eine JO zu gründen, wurde noch vom früheren Präsidenten der SAC-Ortsgruppe St. Niklaus (Sektion Monte Rosa), Hans Blaser, aufgeworfen. In den Personen von Bruno Biffiger und Mauro Ferrari fand die JO-Gruppe zwei best-ausgewiesene Bergfanatiker und ausgezeichnete Ausbildner. In St. Niklaus wurde das Bergsteigen wieder «in» —wie damals! Zudem ist auch der Interessensbeweis da: Gegenwärtig gibt es in St. Niklaus 5 Bergführerapsiranten, alle machten Ihre Lehrgänge in der JO. Allen Aspiranten sei ein erfolgreicher Abschluss gewünscht und anschliessend vergnügte und glückliche Stunden bei der Ausübung ihres verantwortungsvollen Berufes auf den faszinierenden Gipfeln unserer Umgebung und in der Fremde. Warten wir's ab —vielleicht kommen aus der JO Bergführer hervor, wie jene Pioniere von damals.

Programm der Bergsteigerschule «Nikolaital»
Die Bergsteigerschule «Nikolaital» organisiert und führt Skitouren, Bergtouren, Kletterkurse, Eiskurse, Gebirgswanderungen und Wochenprogramme von Frühling bis Herbst. Aber auch «Heli-Skiing» soll nicht zu kurz kommen, sind doch die wunderschönen Tiefschnee-Abfahrten ein grosses Erlebnis. Ferner werden auch Reisen ins Ausland organisiert. Die erste Reise wird bereits im kommenden Mai angetreten und führt nach Bolivien, um Land und Leute und die Berge (6000er) kennenzulernen. Selbstverständlich können solche Reisen nur angetreten werden bei genügend Anmeldungen. Die Reise (Aufenthalt in Bolivien) dauert zirka 30 bis 35 Tage. Also, warum nicht einen oder mehrere Tage in die Berge mit den Bergführern aus der Bergsteigerschule «Nikolaital»?

 

Benjamin der Monte Rosa Familie

1984 wurden die Statuten der Ortsgruppe St. Niklaus überarbeitet. Diese Version ist im Übrigen noch heute gültig. Zu diesem Anlass hat der damalige Aktuar Fredy König den folgenden Begleittext geschrieben:

Wenn wir das Rad der Zeit einmal zurückdrehen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, als in den Walliser Tälern allmählich der Tourismus aufkam, finden wir schon bald grosse Namen aus unserem Dorf in der Geschichte des Alpinismus.

An der Spitze der Pioniere des Bergführertums: Peter-Josef Knubel, geb. 1847, Josef-Marie Lochmatter, geb. 1833, Alois Pollinger, geb. 1844. Je länger je mehr kam dem Tourismus in unserer Gemeinde grosse Bedeutung zu, und neben der Landwirtschaft wurde der Fremdenverkehr zur wichtigsten Erwerbsquelle. So war es auch naheliegend, dass immer mehr Männer den Bergführerberuf ausübten, und kaum eine andere Gemeinde im ganzen Alpenraum hat eine so grosse Zahl tüchtiger Führer hervorgebracht. Dass diese Männer schon damals einen guten Ruf besas­sen, beweist die Tatsache, dass sich z. B. E. Whymper öfters in St. Niklaus aufhielt. Josef Imboden, geb. 1840, war z. B. der erste Schweizer Bergführer, der einen Gip­fel im Himalaya bezwang. Franz Lochmatter, geb. 1874, Sohn des Josef-Marie, von dem C. W. Young schreibt: «Der Grösste der Bergler, der Nobelste der Freunde», be­stieg in den Alpen so ziemlich alles, was es zu besteigen gab. Überdies beteiligte er sich an vier Expeditionen ins Himalayagebirge, wobei die längste fast anderthalb Jahre dauerte.

Seit diesen Pionierzeiten hat sich einiges verändert. Die Bahnlinie, seit 1891 bestehend, wurde in den dreissiger Jahren durch die Strasse ergänzt. Auch in dieser Zeit übten noch viele Männer, meist Nachkommen der Pioniere, den Bergführerberuf aus. Nach dem zweiten Weltkrieg, im April 1947, wurde das Grand Hotel von St. Niklaus von der Scintilla AG in einen Fabrikbetrieb umfunktioniert. Damit hatte die Industrie Einzug in unser Dorf gehalten. Nebst den vielen Zaniglasern, die in Zermatt und in Grächen und übers ganze Land verstreut einer Arbeit nachgingen, fanden in der Fabrik bis zu 350 Personen Arbeit. Auch einheimische Unternehmer brachten, dank ihrer Tüchtigkeit, Verdienst und Wohlstand ins Dorf. Kraftwerk- und Strassenbau ersparten zahlreichen einheimischen Arbeitskräften den Gang in die Fremde.

Die Auswirkungen des modernen Lebensstils machten sich schon bald bemerkbar. Die Dorfvereine, wie Theater, Musik, Gesang, religiöse Vereine, Skiklub, Schwingklub, Fussball und Tennis, bieten jedoch Zerstreuung vom Alltag. Von den vielen Naturverbundenen und Bergfreunden schloss sich bald ein Häuflein, das bis auf 34 Personen anwuchs, der OG Brig an. Seit 1970 nun steht die OG St.Niklaus auf eigenen Beinen. 1971 wurde die JO gegründet. In den Jahren um die Jahrhundert­wende, als noch ca. 50 Männer aus unserem Dorf den Bergführerberuf ausübten, hätte sicher niemand an die Gründung eines Vereins von Bergfreunden gedacht; damals war das Bergsteigen noch Broterwerb - knochenharte Arbeit, die leider auch ihre Opfer forderte. Zwischen 1876 und 1933 verunglückten 11 Führer von St. Niklaus. Alle zusammen waren sie Wegbereiter für unsere OG, durch welche die meisten unserer Bergtouren organisiert werden.

Wenn auch wir Älteren etwas bequemer sind und unser Wohlstandsränzlein uns oft etwas anhängt, so brauchen wir uns doch keine Sorgen um die Zukunft der OG zu machen. Vermehrt erwerben sich wieder junge Leute das Bergführerpatent. Einer dieser Führer aus unserer OG hat an einer Besteigung im Himalaya teilgenommen. Unsere Burschen aus der JO haben den Kilimandscharo erklommen und sind fast jedes Wochenende in unserer Bergwelt unterwegs. Eine Expedition nach Nepal wird bereits wieder geplant. Die Zeit der Pioniere ist vorbei, mögen jedoch unsere jungen Lochmatter, Knubel, Pollinger, Fux, Schnidrig und wie sie alle heissen, ihren berühmten Vorfahren nacheifern. Es ist doch ein Glück für uns, dass wir auf den Routen unserer Ahnen der Hektik unserer Zeit immer wieder für einige Stunden entrinnen können, um uns in den Bergen des wundersamen und geheimnisvollen Waltens der Natur bewusst zu werden.

 

Gipfelkreuz auf dem Gabelhorn

Während vielen Jahren zwischen 1988 und 2005 krampfte sich jeweils am 1. August eine Gruppe von unverwegenen, traditionsbewussten und vielleicht auch ein bisschen verrückten Berggängern, schwer mit Holz beladen, gegen das Zaniglaser Gabelhorn. Vielen Einheimischen und Gästen in Grächen, Zaniglas und Umgebung war das traditionelle Höhenfeuer am Nationalfeiertag ein schönes Schauspiel, welches nicht wegzudenken war.

Die Erstbesteigung dieses Berges geht auf den 13. August 1904 zurück. Seit dem Jahre 1988 prangt ein prächtiges Gipfelkreuz auf der höheren der beiden Gabeln. Nur, wer kommt bloss auf diese verwegene Idee auf diesem sehr schwer zugänglichen und ausgesetzten 3'136 Meter hohen Felsen ein Kreuz aufzustellen? Einer der damaligen Initianten gehörte viele Jahre zu den fleissigen Feuermachern: Franz Gruber. Am 30. Juli 1988, nach 3,5 stündigem „Kreuzweg“ erreichen, Bruni, Kusi, Oliver, Zischgi und z’Bäji (Tino) den Einstieg zum Gabelhorn. Die Vorbereitungen zum „Kreuzzug“ beginnen...

Um halb zwei ist es soweit! Nach fast 6 Stunden steht nun ein ca. 40 kg schweres Kreuz auf dem Gabelhorn. Es ist ein Dankeschön für 17 Jahre unfallfreies Touren der JO-SAC Zaniglas. Auch soll dieses Kreuz unsere Ortsgruppe in den kommenden Jahren von Unfällen verschonen. Am 1. August 1988 startet eine neue Tradition: das Hochfeuer auf dem Gabelhorn .... und es hat sich bis im Jahre 2005 gehalten! Einzig aus dem Jahre 2002 fehlt ein Eintrag im Gipfelbuch. Im Jahre 1998 konnte ebenfalls kein Feuer entfacht werden: das Wetter war schlichtweg zu stürmisch um den Gipfel zu erklimmen.

Nach 2005 wurde es immer schwieriger Mitglieder zu motivieren, sich am 1. August zum Gabelhorn aufzumachen. Ab 2006 wurde demnach dieser Anlass nicht mehr im Jahresprogramm der Ortsgruppe geführt. Seitdem lebt der Mythos vom Gipfelfeuer auf dem Gabelhorn in den Herzen der Mitglieder weiter...

 

Sektionstour 1992 Bordierhütte

Alternierend unter den Ortsgruppen der Sektion werden jeweils zwei Sektionstouren pro Jahr organisiert. 1992 war unsere Ortsgruppe an der Reihe (19./20. Sept.). Als Motto wählten Berni und Raymond "Pflege der Kameradschaft - vom Leman bis zur Furka, von 9 bis 99 Jahren"

Um dieses Ziel zu erreichen wurde für einmal auf grosse Touren verzichtet und an deren Stelle ein "Kehraus Abend" vorbereitet, verbunden mit leichten Touren am Sonntag.

Bei schönem Wetter bildeten sich beim Treffpunkt Schalbetten bald grössere und kleinere Gruppen die den Aufstieg zur Bordier in Angriff nahmen.

Beim Zauber eines herrlichen Sonnenuntergangs füllten sich gegen 17 Uhr die Plätze an den Tischen vor der Hütte und bald einmal vernahm man den sympatischen Klang.....der Gläser. Da blieb keine Kehle trocken, und als unser Präsident Toni die Freundinnen und amis willkommen hiess, tönte es schon recht gut "international".

Es sollte aber noch besser werden. Als Hüttenwart Pius unterstützt von seiner Gehilfin Ursula mit doch recht ungewohnten Vorbereitungen in der Umgebung der Hütte loslegten, konnte man gespannt sein wie das wohl weitergehen sollte? Und siehe, bald präsentierte sich auf der Umgebungsmauer vor der Hütte ein, sage und schreibe, reichhaltiges Salatbuffet und zwischen einigen Gneisblöcken begann es nach herrlichen Grilladen zu duften. In gemütlicher Reihenfolge bewegte sich nun die Runde der Teilnehmer von einer Delikatesse zur Nächsten. Zwischen einem Rinds- Schweins- oder Kalbspiätzli konnte es auch einmal eine Wurst sein. Zum Geschmacksausgleich dazwischen wurde nach Bedarf mit Dôle oder Chianti abgeglichen. Die Sonne hatte sich schon längst in Richtung Atlantik verabschiedet, als ein feiner Dessert unmissverständlich den Schlusspunkt setzte...

Natürlich nur draussen vor der Hütte , denn für den Kaffee war nun in der guten Stube alles vorbereitet. Es kam dann wie es kommen musste bei freundschaftlicher Unterhaltung und frohem Gesang dachte niemand ans Schlafen gehen. Erst in der Geisterstunde wurde es ruhig in der Gegend.

Nach der Tagwacht, die buchstäblich erst bei Tag stattfand, war nun die Reihe an unseren Bergführern Hildebert und Roby. Einer konnte mit einer Gruppe das grosse Bigerhorn besteigen und der zweite machte sich auf den Weg zum Gabelhorn. Der Hauptharst entschloss sich über den von uns vorbereiteten KIettersteig in der Färichhorn-Nordflanke Richtung Färichlücke - Riedberg nach Schalbetten zurückzukehren.

Noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang fanden sich alle auf dem herrlichen Picknickplatz von Schalbetten ein, wo Bruno und Franz uns noch einen kühlen Abschiedstrunk bereithielten.Wenn auch für einmal ausnahmsweise die grossen Berggipfel unbestiegen blieben, so war die Sektionstour 1992 doch ein Erlebnis unter Bergkameraden.

Als symbolischer Blumenstrauss durfte die OG (nicht nur die Organisatoren) den Dank des Sektionspräsidenten Alexandre Zufferey für ihre aktive Einstellung entgegenehmen.

Es waren 34 Teilnehmer, darunter von unserer OG: Hildebert Heinzmann Bergf., Sarbach Roby Bergf., Bittel Meinrad Bergf. und Vroni, Gruber Toni, Brantschen Bernhard, Fux Marzell, Pollinger Bruno, Pollinger Nils, Brantschen Roman, Sarbach Regula, Sarbach Raymond.

Tourenleiter: Brantschen Berni und Sarbach Raymond